Pottwal (Physeter macrocephalus)

Der Pottwal ist der größte Zahnwal und ein Meister im Tauchen. In der Straße von Gibraltar hält er sich vor allem im Frühling auf – besonders im Juni haben wir öfter das Glück, diesen Tieren zu begegnen.

Was wissen wir über die Pottwale in der Straße von Gibraltar?

Meist können wir Pottwale schon von Weitem erkennen. Zwischen zwei Tauchgängen treiben sie stets einige Minuten an der Wasseroberfläche und füllen ihr Blut mit Sauerstoff auf. Da sich das Blasloch bei Pottwalen auf der linken Schädelseite befindet, wird der Blas schräg nach vorne links ausgestoßen: ein eindeutiges Signal, dass es sich nur um einen Pottwal handeln kann.

Ein schräger Blas verrät uns schon von Weitem, wenn ein Pottwal aufgetaucht ist.

Einige Pottwale erkennen wir an ihrer charakteristischen Fluke und wir wissen, dass sie jedes Jahr mehrere Wochen in der Straße von Gibraltar verweilen, bevor sie wieder ins Mittelmeer schwimmen. Ein Pottwal, den wir Observador nennen, ist dabei besonders neugierig und schwimmt gelegentlich ganz nah ans firmm-Boot heran.

Selten treffen wir in der Meerenge auf Gruppen von Pottwalen, in der Regel scheinen sie alleine unterwegs zu sein. Und selbst für die Begegnung mit einem einzelnen Pottwal benötigt man schon ein Quäntchen Glück. Umso imposanter sind die Ausnahmen, wie zum Beispiel im September 2017, als wir 10 Pottwale auf einmal beobachten konnten.

Beeinflusst der Ostwind das Pottwalvorkommen?

Eine Auswertung unserer Daten hinsichtlich der Wetterverhältnisse lässt vermuten, dass eventuell ein Zusammenhang zwischen Pottwalsichtungen und Levante-Häufigkeit besteht. Levante ist der teils sehr starke Ostwind, der mehrere Woche anhalten kann – in solchen Jahren verzeichnen wir in der Regel weniger Pottwalsichtungen. Erfahren Sie mehr darüber in unserem Forschungsbericht zum Pottwal.

Pottwale sind wahre Meister im Tauchen

Pottwale können bis zu 80 Minuten unter Wasser bleiben. Beim Abtauchen hebt der Wal die komplette Fluke aus dem Wasser, bevor er senkrecht in den Tiefen der Meerenge verschwindet. Das können wir von unserem Boot aus immer wieder gut beobachten.

Eine Besonderheit beim Pottwal ist der große Kopf, der etwa ein Drittel der Gesamtlänge ausmacht. Hier befindet sich das sogenannte Walratkissen mit einer ölig-wachsartigen Flüssigkeit, dem Walrat. Mit dem Walratkissen bündelt der Pottwal seinen Sonar, wozu der Walrat aber flüssig sein muss. Will der Pottwal abtauchen, pumpt er Wasser durch seinen rechten Nasengang. Dadurch kühlt sich der Walrat ab, verfestigt sich bei 31°C und wird dadurch schwerer, was ihm auf den ersten 100 Metern beim Abtauchen hilft. Von Walfänger fälschlicherweise für das Sperma des Pottwals gehalten, ist der Walrat auch als Spermaceti bekannt.

Walfang und andere Gefahren

Der Walrat wurde den Pottwalen zum Verhängnis, als man herausfand, dass sich daraus Schmiermittel und Brennstoff für Öllampen herstellen lassen. Die unerbittliche Jagd auf Pottwale fand erst 1982 ein Ende, zur Reduzierung der hiesigen Population haben zwischen 1920 und 1960 vor allem die Walfangstationen von Algeciras und Ceuta beigetragen.

Leider ist der Bestand der Pottwale im Mittelmeer nach wie vor gefährdet, ihre Zahl nimmt weiterhin ab. Zu den heutigen Gefahren zählt unter anderem die Kollision mit Schiffen. Auch die Plastikverschmutzung der Meere führt immer häufiger zu Todesfällen. Ende Februar 2018 strandete in der spanischen Mittelmeer-Region Murcia ein ausgehungerter Pottwal, in dessen Magen man über 29 Kilogramm an Plastiktüten, Seilen, Fischernetzen und so weiter fand. Da Zahnwale ihre Beute gezielt aufnehmen, befürchten wir, dass im weitgehend leer gefischten Mittelmeer der Hunger die Tiere dazu treibt, einfach alles zu schlucken.

Wissenswerte Daten

  • dunkelgrauer bzw. dunkelbrauner Körper
  • Kopf macht ca. ⅓ der Körperlänge aus
  • Blasloch gewöhnlich auf der linken Kopfseite
  • hoher Blas, der schräg nach vorne links ausgestoßen wird
  • Buckelkamm im hinteren Körperdrittel (anstelle einer Finne)
  • sehr breite, tief gekerbte Fluke (beim Abtauchen deutlich zu sehen)
  • bevorzugt tiefe Gewässer
Pottwal (Physeter macrocephalus)
Unterordnung: Zahnwale
Familie: Physeteridae (Pottwale)
Maße: 11–18 m, 20–50 t
Geburtsmaße: 4 m, 1000 kg
Lebenserwartung: 70–80 Jahre
Geschlechtsreif: mit 9 Jahren (9–12 m)
Reproduktion: alle 5–7 Jahre
Tragzeit: 14–15 Monate
Stillzeit: 24-50 Monate
Nahrung: Kalmare, Kraken, Krebstiere, Fische
(3 Prozent des Körpergewichts/Tag)
Geschwindigkeit: ca. 30 km/h
Tauchdauer/-tiefe: bis 80 min, bis ca. 3000 m

Pottwal-Video

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