Zwei “Studis” im Sommer

von firmm Team

Foto: Pierre & Ria

Eine Woche Tarifa in der Hochsaison, das schien uns als jahrelange Costa de la Luz-Fans am Anfang eine eher ausgefallene Idee. Jedoch, zwei Fahrten mit firmm im Frühjahr 2017 und 2018 hatten uns so begeistert, dass wir das unbedingt nochmal und dieses Mal intensiver erleben wollten. Und Orcas gibt es ja nur im Sommer zu beobachten. Deshalb landeten wir, meine Frau und ich, Mitte Juli in Tarifa, der südlichsten Stadt Europas mit ihrem ganz eigenen Reiz.

Am Vorabend vom Beobachtungskurs trafen wir uns mit Katharina und den anderen Kursteilnehmern. Das sah schon von Anfang an ganz gut aus, auch wenn Schweizerdeutsch nicht gerade zu unseren Sprachkenntnissen gehört!

Einweisung und Planung der Fahrten lief tadellos und am nächsten Morgen machten wir unsere erste Fahrt als Studis auf der firmm-Vision. Kurz nach dem Ausfahren sahen wir einige Finnwale auf dem Weg zum Atlantik. Die Erfahrung von Katharina und ihrer Besatzung brachte uns rasch zu Gruppen von Grindwalen und Delfinen. Dann folgte eine kurze Pause für ein Mittagbrot und schon ging es weiter, auf eine dreistündige Fahrt zum Arbeitsgebiet der marokkanischen Thunfisch-Fischer.

Im Nu erweckte der Duft des Atlantiks Erinnerungen an eine Karriere in der Seefahrt. Der Atlantik ist für mich immer noch das schönste Meer der Welt.

Tatsächlich waren die Orcas, oder auch Schwertwale genannt, anzutreffen; genauso wie auch die marokkanischen Fischer und die Thunfische. In einem regen Trubel schnappte ein erwachsener Schwertwalbulle einen Thunfisch und zog seine Beute samt Fischerleine und Boot fort. Mehrere Orcas tummelten sich rundum der firmm Vision. Dann ging es östlich an der Küste entlang wo wir Delfinen und Grindwalen begegneten. Dieser erste Tag war ein aufregender Start des Beobachtungskurses.

Am nächsten Tag wiederholte sich das Programm, aber erst bekamen wir eine Einführung die auch jeder Tourist bekommt. Es wäre ein Wunder, wenn die „Charla“ von Edeltraud nicht das Interesse an einem Beruf als Biologe hervorruft! Diesmal wehte der Levante und Orcas und Fischer fehlten. Es ging ostwärts und wir begegneten Grindwalen und Delfinen. Die Rückfahrt nach Tarifa ging teils holprig, quer zu Seegang und Wind, aber die alten Seebeine funktionieren noch. Am Mittwochmorgen ging die Fahrt bei leichtem Westwind über ein spiegelglattes Meer, was die Suche und die Beobachtung stark erleichterte. In zwei Stunden sahen wir den Blas eines Finnwals und Gruppen von Grindwalen und Tümmlern. Die anderen Kursteilnehmer sahen mit eigenen Augen, vielleicht zum ersten Mal, wie Ozeanriesen rücksichtlos durch die Straße von Gibraltar dampfen und den Horizont gelblich färben mit ihrem schwefelreichen Qualm; schweres Öl ist eben viel billiger als dünnflüssiges Öl, das nur zum Manövrieren benutzt wird.

Und so flogen die Tage rasch vorbei und unsere kleine Gruppe lernte immer schneller die Tiere zu entdecken und zu identifizieren. Am vierten Tag, immer noch keine Spur von den Orcas, aber große Gruppen Delfine und Grindwale trieben um das Boot und wurden immer sehr begeistert von allen Mitfahrenden bemerkt. Nebenbei sei erwähnt, dass alle Beobachtungen akribisch aufgezeichnet werden; die Stiftung hat neben ihrer bildenden Rolle ja auch ein wichtiges wissenschaftliches Ziel und das kann dem Publikum leicht entgehen.

Am letzten Tag waren wieder fünf Fahrstunden geplant und bei Windstärke 4 fuhren wir zu großen Gruppen Grindwalen, Delfinen und Tümmlern. Nachmittags ging es zum marokkanischen Fischgebiet, aber trotz Katharinas Geburtstag fehlten heute die Orcas. Östlicher begegneten wir größeren Gruppen von verschiedenen Delfinarten, Tümmlern und Grindwalen, manchmal in einem regen Durcheinander. Sie schwammen nahe an das Boot oder tobten sich vor dem Bug aus wie die Gewöhnlichen und Gestreiften Delfine, in einer bunten Mischung verschiedener Spezies. Die Sichtungen reihten sich so schnell aneinander, wir waren mitten in einem großen Treffen.

Viel zu schnell ging es wieder Richtung Tarifa, wo wir uns leider verabschieden mussten von Katharina und ihren Mitarbeitern, von der Besatzung und von unseren Gefährten auf dieser Beobachtungswoche. Es ist für uns aber nur ein kurzfristiger Abschied von dem Atlantik und Andalusien.

Aber irrt euch nicht, liebe Leser, dies soll kein Bericht sein von nostalgischen Erinnerungen eines Seemannes im mittleren Alter. Zweck der Stiftung firmm ist es ja nicht die Nostalgie ehemaliger Seeleute zu pflegen. Nein, dies ist ein Bericht von Hoffnung, von der Tatsache dass eine einzige Person einen sehr großen Unterschied machen kann, dass wir unsere Erde vernünftiger und respektvoller mit den Tieren teilen sollten und dass wir auch bloß Mitreisende sind auf dieser Welt und außerdem nicht unbedingt die intelligentesten der Lebewesen. Der Beitrag von firmm für das Umweltbewusstsein ist riesig und eine Beobachtung von Walen und Delfinen im Freien wird niemanden unberührt lassen, insbesondere die Kinder nicht.

Uns hat diese Woche schon eines deutlich gemacht: die Meeressäuger vor Tarifa haben uns fest im Griff!

Pierre Ria

¡Buen viento y buen mar!

Ria & Pierre

 

 

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