Über Delfine in Gefangenschaft

von firmm Team

Große Tümmler in Freiheit
Große Tümmler mit firmm in Freiheit beobachten

Text: Dominique Geysen

In der Sommerferien-Zeit habe ich einige Freunde beobachtet, die sich dazu entschieden haben, Delfinarien als eine Familienaktivität zu besuchen. Meine Erfahrungen dahingehend möchte ich gern mit Ihnen teilen.

Irgendwann zwischen 1998 und 2007 war ich durch verschiedene Projekte in die Stiftung für Forschung und Information über Meeressäugetiere (www.firmm.org) involviert. Darüber hinaus bin ich während meiner 2400 Tage, die ich als Matrose in unseren Ozeanen gesegelt bin, unzähligen Walen und Delfinen in Freiheit begegnet. Als Taucher in Galapagos, Französisch Polynesien oder auch Mallorca wurde ich sogar mit gelegentlichen Unterwasser-Begegnungen beschenkt. Ich glaube damit genügend Einblick erhalten zu haben, um Ihnen meine Einstellung zu Delfinen in Gefangenschaft mitteilen zu können.

Versetzen wir uns einmal in die Delfine hinein

Es ist bekannt, dass Delfine zwischen 100 - 200 km am Tag schwimmen können, Offshore-Killerwale sogar bis zu 400 km am Tag. Diese Tiere in einem 50 x 10 Meter (wenn überhaupt) Pool einzusperren wäre so, als verbrächten wir Menschen Jahre unseres Lebens eingesperrt in einer Toilettenkabine. Darüber hinaus werden viele Jungtiere, bei der Gefangennahme, bereits in jungen Jahren von ihrer Schule getrennt und werden gezwungen in einem Pool mit Delfinen einer anderen Schule oder sogar einer anderen Spezies zu leben. Die Sprache der Individuen unterscheidet sich daher in vielen Punkten und die Intensität ihrer Klicks hallt in einem geschlossenen Becken, wie z. B. in einem Pool exponentiell. Ich vertraue nun auf Ihr Vorstellungsvermögen, um sich ein Bild zu machen.

Um die Tiere dennoch gefügig zu halten und sie nicht durchdrehen zu lassen, wird ihr Futter – toter Fisch – mit Beruhigungsmitteln und Antibiotika versetzt. Letzteres vor allem deshalb, um Hautproblemen oder Krankheiten aufgrund der schlechten Wasserqualität in den Becken vorzubeugen. Es ist bekannt, dass man sich die Gehorsamkeit der Tiere mit Futter „erkaufen“ kann. Manchmal wird dabei die Schwelle des Hungers überschritten, um in den Augen der Trainer solcher Shows eine zufriedenstellende Ausführung der Tricks zu gewährleisten.

Es sollte jedem klar sein, dass die Lebenserwartung der Tiere auf Grund der soeben genannten Punkte drastisch reduziert ist.

Die Bemühungen und Ziele von Herrn Ric O’Barry alle Delfinarien der Welt zu schliessen, basiert auf seinen Erfahrungen als ehemaliger Trainer des berühmten Delfins „Flipper“. Er hat die raue Realität des Geschäfts mit gefangenen Meeressäugern viele Jahre lang persönlich als Insider erlebt. Ich kann wirklich sehr empfehlen seine bemerkenswerte Geschichte zu lesen (www.dolphinproject.com).

Orcas in der Straße von Gibraltar
Orcas schwimmen in der Natur bis zu 400 km pro Tag

Meine Erfahrung mit Delfinarien

Irgendwann zwischen 2003 und 2006 hatte firmm die Absicht, in Marokko eine Station für Delfine zu bauen. Die Idee Delfine aus Delfinarien in einer geschlossenen Bucht im offenen Meer unterzubringen, und damit verbunden ausserdem die Möglichkeit zu haben, anderen, wilden Meeressäugetieren bei Problemen zu helfen, gefiel mir. Nach jahrelangen Bemühungen wurde das Projekt letztendlich nie Wirklichkeit, aber es gab mir einen zusätzlichen Einblick in die Aktivitäten innerhalb von Delfinarien. Ich war nicht nur an den Plänen dieser Hafen-/Buchtanlage beteiligt, sondern wurde auch eingeladen ein Delfinarium zu besuchen, um zu schauen, ob ich Delfine kaufen könnte, damit sie nicht mehr solche Shows performen müssten.

Während dieses speziellen Besuches wurde ich zu Gesprächen mit einem „spezialisierten Trainer“ eingeladen, der dafür verantwortlich war autistische Kinder in Kontakt mit den Delfinen im Pool zu bringen. Es wird angenommen, dass die fürsorgliche Natur dieser Säugetiere einen Einfluss auf das Verhalten autistischer Kinder haben könnte. Einige behaupten, der Kontakt mit den Delfinen könnte die Symptome lindern oder gänzlich heilen. Als die autistischen Kinder, ausgestattet mit einer Schwimmweste, an ihrem Arm geführt wurden, um sich so zu positionieren, dass ein Großer Tümmler sich ihnen nähern konnte, verlief die Begegnung ohne Probleme.

Die Wirksamkeit von Delfintherapien ist nicht erwiesen – spielt den Betreibern aber viel Geld in die Taschen.

Für ein 15-20-minütiges Erlebnis im Pool ohne Garantie auf Verbesserung wurde dabei sehr viel Geld eingesackt, und all das geschah vor den Augen der Eltern auf den Tribünen. Ich kann mich zu diesem Thema nur bedingt äussern, da ich selbst kein Arzt bin. Aber ich kann das Gefühl des Knotens in meinem Bauch beschreiben, als ich sah wie ein Elternteil sein Kind erwartungsvoll beobachtete und erwartetet, dass sich direkt etwas am Verhalten seines Kindes geändert hätte, sobald es wieder aus dem Wasser käme. Ich möchte keinesfalls die Reaktion der Eltern selbst verurteilen, da ich kein Elternteil eines Kindes mit einem solchen Syndrom bin. Ich nehme an, dass es wahrscheinlich die Kommerzialisierung dieser ganzen Show ist, die mich zutiefst empörte.

Eine unvergessliche Begegnung in der Natur

Um Sie wieder aufzuheitern und aus Respekt vor diesen wundervollen und charismatischen Tieren möchte ich Ihnen erzählen, dass ich persönlich nur einmal eine vergleichbare Erfahrung machte. Während ich mit einigen Freunden im offenen Meer schnorchelte, näherten sich uns wildlebende Delfine. Sie waren ausschliesslich an einer Frau in unserer Gruppe interessiert und schwammen um sie herum. Offensichtlich machte sie irgendwas an ihr neugierig und es wirkte, als würden sie die Frau beschützen. Aus irgendeinem Grund sagte jemand – eigentlich aus Spass – dass sie vielleicht schwanger ist, was sich später als wahr herausstellen sollte. Wir glaubten, dass die Delfine den zweiten Herzschlag des Babys durch ihr Echolokalisationssystem bemerkten. Vielleicht wollten sie ihr nur gratulieren?

Delfinarien sind nach wie vor ein legales Geschäft in vielen Teilen der Erde und es steht Ihnen natürlich frei sie zu besuchen. Vergessen Sie dabei aber nicht Ihre Verantwortung, nämlich dass Sie durch einen Besuch diese Institutionen und ihre Aktivitäten unterstützen.

Einige Leute, einschliesslich mir, halten Delfinarien für unethisch und grausam.

Capt. Dom

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