Nicht jeder schwarze Delfin ist ein Grindwal.
von firmm Team
Text: Brigitte, Fotos: firmm
Am 11.Juli erwartete uns eine Überraschung in der Straße von Gibraltar. Zum ersten Mal
haben wir „falsche“ Orcas (Pseudorca crassidens, andere Namen: Kleiner Schwertwal oder Unechter Schwertwal) in der Straße von Gibraltar gesehen. Wir durften uns auf zwei Ausfahrten über diese ungewöhnlichen Besucher freuen. Die Sichtungen fanden östlich von Tarifa statt und waren etwa 3.2 Kilometer voneinander entfernt. Es waren etwa 100-200 Tiere, die ungefähr 10 Kälber bei sich hatten. Was für ein Spektakel, als sie in ihrer wendigen Art Thunfische jagten und durch das Wasser flitzten. Diese Delfinart jagt generell in äußerst organisierten Schulen und kreist Fischschwärme ein um sie eng zusammenzutreiben. Haben sie einen Fisch gefangen, teilen sie die Nahrung oft untereinander. Dieses Verhalten kennen wir auch von den Orcas.
Der Name geht, laut einigen Quellen, auf den britischen Paläontologen Owen zurück. Dieser entdeckte im Jahr 1864 die Knochen eines verendeten Tieres. Er hatte noch nie ein lebendes Exemplar gesehen, aber stellte fest, dass der Schädel und die Zähne fast identisch sind mit denen von echten Orcas. Somit war der wissenschaftliche Name geboren und ist geblieben. Die Zähne laufen spitz zu und sind extrem kräftig. Im Vergleich mit anderen Delfinen sind sie ungewöhnlich dick und robust. Daher stammt auch das crassidens im lateinischen Namen, was so viel wie „Dickzahn“ bedeutet.
In Wirklichkeit ähneln sie in ihrer Körpergröße und Erscheinung mehr den Grindwalen als den Orcas (der falsche Orca ist der viertgrößte Delfin der Welt, der Grindwal der zweitgrößte). Beide haben eine dunkelgraue, fast schwarze Farbe.
KOPFFORM:
falscher Orca: schlank und spitz zulaufend. Der Schnabel fehlt.
Grindwal: extrem wuchtig und rund. Markante vorgewölbte Stirn. Auch bei ihm fehlt der Schnabel.
RÜCKENFINNE:
falscher Orca: mittelgroß, sichelförmig und schmal. Genau in der Körpermitte platziert.
Grindwal: sehr breit, niedrig und weit vorne platziert, hat eine lange Basis.
KÖRPERFORM:
falscher Orca: Sehr schlank und stromlinienförmig. Er ist ein sehr wendiger Schwimmer.
Grindwal: Massig, robust und kräftig gebaut.
BRUSTFLOSSEN:
falscher Orca: Die Flipper haben an der Vorderkante eine S-förmige Wölbung.
Grindwal: sehr lang und schmal (beim Langflossen-Grindwal machen sie bis zu einem Fünftel der Körperlänge aus). Spitzer „Ellenbogen“-Knick
SCHWIMMVERHALTEN:
falscher Orca: Sehr schnell und extrem agil. Springt häufig komplett aus dem Wasser.
Grindwal: Eher langsame und gemächliche Schwimmer. Sie liegen oft an der Oberfläche („loggen“) und springen als erwachsene Tiere nur sehr selten.
Wer schwimmt denn da? Das große Grindwal vs. Falscher-Orca-Rätsel!
Schafft ihr es, die beiden Arten fehlerfrei zu identifizieren? Ihr könnt Euer Wissen anhand der 10 Fotos testen. Die Auflösung gibt es weiter unten.
Trotz all der Freude über diese außergewöhnliche Sichtung bleibt ein Wermutstropfen: normalerweise halten sich die falschen Orcas in tropischen, subtropischen und warm-gemäßigten Ozeanen auf. Der Grund warum sie in die Straße von Gibraltar gekommen sind, könnte die Erwärmung der Wassertemperaturen durch den Klimawandel sein und das hat eine weltweiten Verschiebung der Lebensräume zahlreicher mariner Arten zur Folge.
LÖSUNGEN:
Bild 1: Grindwale - breite Rückenfinnen
Bild 2: falsche Orcas - schmale Rückenfinnen
Bild 3: Grindwale - breite Rückenfinnen
Bild 4: Grindwale - runde Köpfe mit vorgewölbter Stirn
Bild 5: falsche Orcas - schlanker, spitzzulaufender Kopf
Bild 6: Grindwale - Rückenfinne mit langer Basis
Bild 7: Grindwale - breite Rückenfinne und runder Kopf
Bild 8: falsche Orcas - schmale Rückenfinnen
Bild 9: falsche Orcas - schnelle Schwimmer - schmale Rückenfinnen