Es geht wieder los!

Ab 1. Juli fahren wir wieder hinaus zu den Walen und Delfinen. Wir freuen uns, Sie bald bei uns begrüßen zu dürfen und wünschen Ihnen jetzt schon einen entspannten Urlaub. Informationen zu den notwendigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen finden Sie unter Ausfahrten.

Bis bald in Tarifa, Katharina Heyer und das firmm-Team

18. firmm-Treffen am 20. Februar 2016 im Kultur- und Kongresshaus in Aarau

von firmm Team

Text: Andrea Stampfli-Loser, Fotos: firmm

Katharina eröffnet das diesjährige firmm-Treffen eine Viertelstunde später als geplant. Da es im Gubrist-Tunnel sowie auf der A1 von Bern Richtung Zürich je einen Unfall gegeben hat, will Sie all denen die jetzt im Stau stehen etwas mehr Zeit zur Anreise geben. Anscheinend steckten aber einige Leute so lange im Stau fest, dass sie wohl umgekehrt sind. Deshalb ist der Saal zwar gut, im Verhältnis zu den letzten Treffen aber nicht bis zur hintersten Reihe gefüllt. Wie bereits die Jahre zuvor hat es sich ein Teil der Bootscrew (Diego, Eduardo) nicht nehmen lassen, ebenfalls dabei zu sein. Auch Jörn Selling, der langjährige Biologe von firmm ist wieder mit dabei.

Samuel Notz informiert kurz über den Ablauf des Abends. Insbesondere darüber, dass es keinen Bericht zur aktuellen Forschungsreise von Prof. Dr. Patricia Holm geben wird. Diese befindet sich zurzeit auf einer Expedition auf dem deutschen Forschungsschiff POLAR STERN. Leider sind die Internetverbindungen so schlecht, dass sie uns nicht wie geplant über den Stand der Expedition informieren kann. So freuen wir uns über ihren persönlichen Bericht am 19. firmm-Treffen!

Katharina Heyer Samuel Notz 

Nun beginnt Katharina mit dem Rückblick auf die Saison 2015.

Für alle die das erste Mal am Treffen teilnehmen erklärt sie nochmals was firmm genau bedeutet und wo sich die verschiedenen Büros und Lokale der Stiftung in Tarifa befinden und was für ein spezieller Ort Tarifa selber ist. Da es dank der einmaligen geografischen Lage und deren Begebenheiten genügend Nahrung gibt, leben in der Straße von Gibraltar trotz großem Verkehrsaufkommen (über 300 Schiffe pro Tag) viele verschiedene Wale und Delfine. So ist es wichtig, dass Karten über das Vorkommen der in der Straße von Gibraltar lebenden Wal- und Delfinpopulationen erstellt werden. Diese können dann mit den Schiffsverkehrskarten abgeglichen werden. So konnte z.B. ein kleiner Erfolg verzeichnet werden, indem verhindert werden konnte, dass die Schnellfähre Tarifa-Tanger MED die Meerenge auf direktem Weg überquert und so fatalerweise geradewegs durch die Grindwal Populationen hindurch fahren würde.

Der Hafen von Tarifa wurde aufwändig umgebaut. Leider haben die firmm Boote aber immer noch keinen festen Standplatz erhalten.

Das Jahr 2015 war für firmm erneut ein absolutes Rekordjahr. Dank gutem Wetter konnten über 27’500 Touristen an den Bootsfahrten teilnehmen. Dies machte es möglich mit über 1’700 Charlas viele Menschen zu erreichen und ihnen die Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar näher zu bringen. Obwohl die Konkurrenz von „Aventura Marina“ ihre Kundschaft auf Booten anderer Konkurrenten unterbringen musste, da ihr Eigenes beschädigt wurde, konnte firmm erneut im Vergleich Leute dazugewinnen. Dies zeigt, dass die Arbeit von firmm geschätzt wird und macht Katharina sehr stolz. Auch die Kurse waren mit 246 Teilnehmern gut besucht. Die Homepage www.firmm.org konnte 2014 schon einen Zuwachs von 25% und 2015 nochmals eine Zunahme von 20 % verzeichnen. Die Facebook Follower nehmen auch stetig zu und es sind 2015 in Deutsch nun schon über 4500. In den restlichen 3 Sprachen, englisch, spanisch und holländisch sind es nochmals 1300.

Im vergangenen Jahr waren dank dem guten Wetter keine Ausfahrten in Algeciras notwendig.

Weiterhin beliebt sind auch die Patenschaften. Mittlerweile sind es über 300. Am beliebtesten ist der Orca-Nachwuchs "Baby Wilson", welcher im letzten Jahr vorgestellt wurde.

Das Wal- und Delfinmuseum in Tarifa wird mittlerweile nur noch durch firmm und die Hauptkonkurrenz finanziert. Die weiteren Anbieter haben nichts mehr dazu beigetragen. firmm ist genauso wie alle Whalewatcher dazu verpflichtet, das Museum zu unterstützen. Ca. 8'000 Besucher haben das Museum besucht. Empfehlenswert ist ein Besuch wenn man sowieso im Städtlein ist.

Katharina stellt die Bootscrew der firmm Spirit und während der Hauptmonate auch noch der Fly Blue vor.

Ärgern musste man sich ein weiteres Jahr über die Sportfischer, welche kreuz und quer durch die Tiergruppen fahren und sie dabei teils schwer verletzten. Auch die Buschbrände, die man von den Booten aus sehen kann, sind immer wieder beängstigend.

Eine eher lustige Episode kann Katharina von einem Spatz erzählen, der an der Bootsfahrt teilnahm. Der kleine Vogel hatte die Abfahrt verschlafen und konnte nach der Rückkehr in den Hafen wieder wohlbehalten an Land gebracht werden.

Neu wird ein Online-Buchungssystem für die Bootsfahrten eingeführt. Dieses wird bei den immer größeren Passagierzahlen sicherlich eine große Erleichterung sein.

Ebenso neu ist "firmm-travel". Eine Idee die von Samuel Notz ins Leben gerufen wurde. Hierfür wurde Monika Morgan neu eingestellt. firmm-travel wird vor allem für die Organisation von Gruppenreisen (z.B. Ornithologen, Sportler, etc.) zuständig sein. Speziell für diese Zielgruppen werden neu 3 und 4 Tageskurse angeboten. Ebenso wird im Jahr 2017 wieder ein Jugendcamp vom 24. Juli - 3./4. August 2017 durchgeführt. Eine passende Unterkunft konnte bereits bei einer Schweizer Familie im nahegelegenen Naturschutzgebiet gefunden werden.

Im Herbst wird ein Buch über Katharina - geschrieben von Michèle Sauvain - erscheinen, welches wahrscheinlich den Titel "Die Walfrau von Gibraltar" tragen wird.

Im Jahr 2015 konnten etwa gleich viele Populationen gesichtet werden wie in den Jahren zuvor. Klar ist, dass mit der Zunahme an absolvierten Fahrten auch mehr Sichtungen verzeichnet werden konnten.

Es war zwar kein Pottwal-Rekord-Jahr wie 2014, mit 110 Sichtungen konnten aber immer noch viele Pottwale gezählt werden. In einem Kurzfilm wird einige Male gezeigt wie ein Pottwal seinen Tauchgang vorbereitet und dann abtaucht. Nicht nur Schiffe können den Pottwal stören und zu einem frühen Abtauchen bewegen, sondern auch die lästigen Möwen. Wenn sie mit ihren spitzen Krallen auf den Pottwal Rücken zu landen versuchen, passt ihnen das garnicht und sie tauchen genervt ab.

54 Mal konnte man beobachten wie das zweitgrößte Lebewesen der Erde, der Finnwal, durch die Meerenge gezogen ist. Ein spezielles Erlebnis war, dass man einmal sogar einen Finnwal auf der marokkanischen Seite sichten konnte (in falscher Richtung schwimmend - schwimmen normalerweise um die Jahreszeit aus dem Mittelmeer). Katharina zeigt einen Kurzfilm in dem zu sehen ist, wie die Finnwale durch die Straße ziehen. Danach stellt ein Größenvergleich mit dem Fly Blue (16m lang) dar, wie gigantisch die Finnwale (22m) sind. 

Zwischen dem 1. Juli und dem 27. August 2015 waren auch die Orcas wieder da. Zur großen Freude von allen war Camacho (das alte Männchen über 30 Jahre alt) wieder mit dabei. Katharina erzählt wie die Matriarchin die Jungen der Orcagruppe hütet, damit die Mütter fischen gehen können. Camorro ist ein Orca, welchen Katharina als ganz kleinen Orca kennen lernte, als sie neu in Tarifa war. Nun ist Camorro groß und hat seine eigene Schule mit 4 Weibchen und 4 jungen Orcas gegründet. Katharina zeigt uns einen Kurzfilm über seine Schule und eine Paarungsszene bei der er durch seine Schule eher behindert wurde.

Bei den Grindwalen wurde dieses Jahr ein Versuch gemacht, sie mittels einer Drohne zu filmen. Die Grindwale hatten den Lärm aber überhaupt nicht gern und verschwanden. So war der Versuch klar erfolglos. Folglich ist es weiterhin am besten sie von den Booten aus zu beobachten.

Gewöhnliche Delfine konnten etwas weniger beobachtet werden, da keine Ausfahrten in Algeciras stattfanden. Von den gestreiften Delfinen konnten dafür einige Male größere Gruppen (bei einer Sichtung über 1'100 Tiere) gesichtet werden. Zuerst werden nun mit einem Kurzfilm von Sebastian Kanzler die gestreiften Delfine vorgestellt. Danach folgt eine schöne Filmsequenz von großen Tümmlern, die in der Bugwelle der großen Frachtschiffe mitspringen.

Zum Schluss stellt Katharina allen noch stolz das neu bestellte und extra für firmm hergestellte Boot die "firmm Vision" vor. Das Boot wird viele Vorteile vorweisen können. Dazu gehören ein ökologischen Anstrich (diesen erhält auch die firmm Spirit neu), eine besser geschützte Schraube, leisere Motoren und einige Glasfenster im unteren Bereich, welche es ermöglichen werden die Tiere auch dann zu beobachten, wenn sie unter das Boot kommen sollten.

firmm Education

Stiftungsrat Samuel Notz bringt uns allen näher, was genau unter firmm Education zu verstehen ist. Dies ist zwar nichts Neues, soll aber in Zukunft intensiviert und besser strukturiert werden.

Dabei geht es darum von den Tieren in ihrer natürlichen Umgebung zu lernen. Versuchen zu verstehen, was sie uns mitteilen wollen und dieses Wissen weiterzugeben. Über die vielen Jahre hat sich firmm als feste und sehr geschätzte Ausbildungsplattform für Biologen aber auch für ganze Schulen und Universitäten etabliert.

Michael Casanova welcher in den Jahren 2005 und 2006 als Biologe für firmm tätig war, hat seine Masterarbeit bei Prof. Senn über das Plankton in der Straße von Gibraltar geschrieben und später dann noch eine wissenschaftliche Arbeit über die Grindwale verfasst.

Jörn Selling, Meeresbiologe von firmm hat an den Meeresbiologen Kongressen von 2007 und 2011 seine Studien präsentiert.

Schulen und Universitäten aus verschiedenen Ländern haben firmm vor Ort besucht. Diese Schüler haben das erlernte Wissen mittels Vorträgen an ihren Schulen, ihren Familien und ihrem Freundeskreis weitergegeben. Die Stiftung firmm erfüllt mit ihrer Arbeit eine wichtige pädagogische Aufgabe.

Speziell erwähnt wird auch die Arbeit von Larissa Puma, welche sich im Rahmen ihrer Maturaarbeit am Seelandgymnasium Bielim Fach Bildnerisches Gestalten künstlerisch mit der Problematik der Verschmutzung der Meere durch Plastikflaschen auseinandergesetzt - und einen 4,5 m großen Wal aus Petflaschen hergestellt hat.

Auch Kevin Keller hat seine Mathearbeit "Wie viel Plankton hat im Magen eines Blauwales Platz?" und später seine Vertiefungsarbeit "Die Frau und das Meer" zu diesem Thema geschrieben.

All diese Arbeiten und noch weitere sollen in Zukunft für alle Interessierten auf der firmm Website zur Verfügung stehen. Immer wieder erhält firmm Anfragen für Daten und Informationen, welche zur Erstellung von Arbeiten benötigt werden. Sehr gerne gibt firmm die Informationen weiter und bietet bestmöglichste Unterstützung.

Dr. Thomas Brückmann, Kommunikationsdesigner und Diplombiologe

Thomas Brückmann hat sich diesen Sommer einen Traum erfüllt und vier Wochen bei firmm verbracht. Er zeigt uns nun Bilder von seiner Zeit in Tarifa. Er durfte sich der Klasse von Prof. Dr. Patricia Holm anschließen und dabei unter anderem die Felsküste erkunden. Er stellt zuerst einige dort gefunden Tiere vor und zeigt dann weitere wunderschöne Bilder von Tieren, welche in Tarifa beobachtet werden können.

Thomas Brückmann weist auf die große Gefährdung des gewöhnlichen Delfins hin. Dann zeigt er Fotos von akrobatischen großen Tümmlern.

Er erklärt, dass der Name Pilotwal daher stammt, dass die Gruppe von einem Wal angeführt wird. Dies wird ihnen oft auch zum Verhängnis, da sie dem pilotierenden Wal uneingeschränkt folgen (z.B. Massenstrandungen, Walfang, etc.). Der Pilotwal gehört zu den Delfinarten.

Auf einer Ausfahrt kann man mit etwas Glück das zweitgrößte Lebewesen auf der Erde, den Finnwal (bis 22m Länge und 80 Tonnen Gewicht) sehen. Er ist ein sehr schneller Schwimmer und gehört zur Familie der Bartenwale.

Auf den Ausfahrten haben die Studenten Planktonproben genommen. Hierfür haben sie ein Planktonnetz heruntergelassen und dieses, nachdem es einige Minuten durchs Meer gezogen wurde, wieder eingeholt. An Land wurden die Proben dann mikroskopiert und analysiert und die Arten bestimmt. Danach wurden die Proben wieder ins Meer gebracht.

Das Highlight war die dreistündige Fahrt in das Gebiet in dem sich das Unterwassergebirge befindet und wo sich die Orcas aufhalten. Dort nutzen die Orcas die Arbeit der Fischer zum eigenen Vorteil und schnappen sich die Thunfische direkt von den Fischerleinen. Aufgefallen ist dabei ein immer wieder springendes Orcaweibchen, welches dabei stets seine rechte verstümmelte Flosse präsentierte.

Thomas Brückmann Stand Up Teilnehmer

Am 23. Juli 2015 wurden auf den Färöer-Inseln über 250 Grindwale in einer Bucht zusammengetrieben und allesamt getötet. Sea Shepherd, eine internationale Meeresschutzorganisation war mit mehreren Freiwilligen und einer eigenen Kampagne Vorort und informierte die weltweite Presse über die Geschehnisse. An diesem Tag eskalierte die Situation und die dänische Marine hinderte die Aktivisten am Einschreiten, nahm sie fest und beschlagnahmte Boote und Material. Somit leistete der dänische Staat als Mitglied der EU dem ungesetzmäßigen Vorgehen der dortigen Treibjagd Beihilfe. Als Sympathie Aktion von firmm machte Sebastian Kanzler daraufhin den Film "stand up", auf dem 250 Personen mit ihren Gesichtern für die 250 getöteten Grindwale stehen. Thomas Brückmann zeigt uns zum Schluss diesen eindrucksvollen Film.

Katharina stellt zum Schluss des 1. Teil des Abends nun den ganzen Stiftungsrat, alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, alle Volontärinnen und Volontäre, sowie alle Personen die firmm auch dieses Jahr aktiv unterstützt haben vor. Danach wird während der einstündigen Pause wieder von Rosa Schifferle und der Stiftung "Gärtnerhaus" für Verpflegung gesorgt und Caroline Burger und ihr Team sorgen für kalte Platten und das Catering.

Krankheiten, Verletzungen und andere äußerlich Sichtbare Anomalien (Aus der firmm Fotosammlung, für einen Bericht an die IWC)

Gestärkt geht es nach der Pause mit dem Vortrag von Jörn Selling weiter, der mittlerweile seit 13 Jahren als Meeresbiologe für firmm tätig ist. Jörn illustriert seinen Vortrag mit eindrücklichen Bildern. Er beginnt damit, einige Tiere zu zeigen, die Besonderheiten, wie z.B. verbogene Rückenfinnen oder Schnitte darin (z.B. ein Orca aus Barbate) aufweisen.

Jörn Selling

Danach zeigt er uns wie sich Parasiten auf den Rücken der Finnwale ansiedeln. Es handelt sich dabei um parasitäre Kopepoden (Krebsartige), längliche bis zu 32 cm messende Exemplare, die an den Walen hängen und Blut saugen. Auch die Pottwale sind manchmal von solchen Parasiten befallen.

Dann gibt es Tiere die in einer Art Symbiose mit dem Wal leben. Das heißt sie ernähren sich nicht vom Wal, sondern nutzen diesen als Transportmöglichkeit. Sie hängen sich an die Tiere und ernähren sich von Plankton. Auf einem Bild sieht man schön wie sich sessile Entenmuschelartigen an den Flossen eines Grindwales angeheftet haben. Meist stellt dies für das betroffene Tier kein Problem dar. Wenn es aber zu viele Anhängsel werden, kann es für das Tier zu einem solchen werden. Denn wird das Tier beim Schwimmen behindert, wird es langsamer bei der Jagd.

Weiter sind bei den Tieren verschiedene Formen von Geschwüren, Tumoren und Pilzerkrankungen zu beobachten. Der Grund für diese Erkrankungen ist meist unbekannt. Wenn sich die Geschwüre und Tumore an ungünstigen Stellen befinden (Blasloch, Maul, etc.) führen sie längerfristig zum Tod des Tieres.

Immer wieder werden auch unterernährte Tiere gesichtet. Öfters sind teils markante Hautverfärbungen zu beobachten. Diese scheinen aber meist keine Folgen für das Tier zu haben. Ein Beispiel ist der große Tümmler "Loli". Sie weist auffällige Veränderungen an Finne und Fluke auf. Loli kennt man mittlerweile schon eine längere Zeit und kann daher sagen, dass es ihr gut geht. Einige Tiere weisen auch orangene Flecken auf, die sie nicht zu stören scheinen. Wahrscheinlich handelt es sich in diesen Fällen um auf der Haut siedelnden Diatomeen (Phytoplankton).

Auch Verletzungen kennzeichnen die Tiere. Pottwale weisen markante Bissspuren und Abdrücke der Saugnäpfe von Riesenkalmaren auf. Bei allen Arten kommt es immer wieder zu Verletzungen durch Artgenossen (Bisse, etc.). Durch die Kollision mit Schiffen werden den Walen teils tiefe Schnittwunden zugefügt, Löcher ins Fleisch gerissen oder es kommt zu Knochenbrüchen. Im Jahre 2002 beispielsweise wurde in der Straße von Gibraltar ein Pottwal von einer Schnellfähre gerammt. Die gebrochenen Rippen steckten in seiner Lunge. Während er verblutete wurde er von Grindwalen bis zum letzten Atemzug begleitet. Auch bei anderen Tieren zeigen Schnitte, welche vom Kopf bis zur Fluke reichen, dass ein Schiff über sie rübergefahren sein muss. Eine sehr große Gefahr stellen die Leinen der Sportfischer dar, welche rücksichtlos mit hohem Tempo durch die Walfamilien fahren. Sie fügen den Tieren vor allem die schrecklichen Schnitte in den Fluken zu oder trennen diese sogar ganz ab.

Jörn erklärt nun eine Evolutionstheorie der Zahnwale und wieso diese manchmal epidemieartig sterben. Wieso diese keine funktionsfähigen, protein-produzierenden Mx-Gene, mit denen sich das Immunsystem von Säugetieren gegen Viren wehrt, besitzen. Dies könnte auch der Grund sein, weshalb die Tiere manchmal an äußerlich eigentlich gut verheilten Verletzungen sterben.

Bei all diesen Hemmnissen und Gefahren stellt die Fischerei das größte Problem für die Tiere dar. Das Meer wird ausgefischt und es fehlt an Nahrung. Wenn sich die Tiere den Netzen nähern, werden sie von den Fischern teilweise absichtlich verstümmelt und getötet. Diese fühlen sich von den Tieren gestört, wenn sie sich trauen Fische aus den Netzen zu klauen. Auch in der Straße von Gibraltar wurden leider Tiere mit abgeschnittenen Fluken gefunden. Ein Delfin wurde mit einem Stein beschwert und so offensichtlich versenkt. Einem weiteren wurden die Augen ausgestochen. Auch ein Orca Weibchen hat auf einer Seite nur noch eine verstümmelte Flosse, welche sie auffällig oft zeigt. An der Rückenfinne weist sie Schnittwunden auf und ihr Junges ist nicht mehr bei ihr.

Nicht verschweigen darf man, dass auch Whale Watching Lärm verursacht und die Tiere somit stört.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Parasiten und Krankheiten, Schiffsverkehr und Whale Watching zusammen mit Umweltverschmutzung schwächen die Populationen und die Fischerei setzt noch einen dicken Batzen drauf. Gemäß Studien von anderen Organisationen könnten die Grindwale der Straße von Gibraltar infolge all der erwähnten Gründe bis ins Jahr 2030 fast verschwunden sein.

Hans-Peter Roth - seine Erlebnisse auf den Färöer Inseln

Hans-Peter Roth hat vor einiger Zeit den amerikanischen ehemaligen Delfindompteur und heutigen Delfinschützer Rick O'Barry begleitet. So ist er in das Projekt "Die Bucht" - einem Oscar prämierten Dokumentarfilm "hineingestolpert". Bereits im letzten Jahr hat Hans-Peter Roth am firmm-Treffen über die Bucht Taiji und die Färöer-Inseln berichtet und geht deshalb nicht mehr näher darauf ein.

Er möchte dieses Mal auf die positiven Seiten der Färöer-Inseln hinweisen und darauf wie Delfine auch Menschen verbinden und sich durch sie wieder finden können.

Es gibt verschiedene Ansätze der Jagd auf Wale und Delfine entgegenzutreten. Ein Ansatz der z.B. die Organisation Sea-Shepherd verfolgt ist die Konfrontation. Mit dem Finger auf die Missstände und die Menschen die dahinter stehen zu zeigen. So verschließen sich aber die Menschen vor Ort einer konstruktiven Kommunikation. Es gibt auch andere Wege. Denn wichtig ist zu bedenken, dass nur die Menschen die dort leben, nachhaltig etwas ändern können. Daher ist Hans-Peters Ansatz mit ihnen vor Ort Kontakt aufzunehmen und zu versuchen, sie zu verstehen, um dann etwas verändern zu können.

Er zeigt uns ein Bild eines Grindadráp, bei welchem sich eine Schule von 125 Tieren ganz nahe zusammendrängt, da sie ja immer zusammen bleiben egal was passiert. Die Färöer betonen, dass die Jagt möglichst respektvoll geschieht. Es erfolge eine schnelle Tötung der Tiere sagen sie. Dieser geht jedoch eine lange Treibjagd voraus (bis die Tiere stranden). Ebenso ist es kaum respektvoll, wenn Kinder auf den toten Walen herumturnen. Auch von Seiten des Lebensmittelgesetzes spricht einiges gegen die Waljagd, da der Wal Speck giftig ist.

Auf der anderen Seite werden gestrandete Tiere manchmal unter Einsatz des eigenen Lebens gerettet. Unter den Helfern sind immer mal wieder Walfänger, die jeweils an den Grindadráps teilnehmen.

Pilot-/Grindwale

Hans-Peter Roths Freundin, die von den Färöer-Inseln stammt, hat im Jahr 2014 in Tarifa das erste Mal lebendige Grindwale gesehen. Sie schildert allen, wie sie dies erlebt hat und wie sie dieses Erlebnis bewegt hat. Danach haben sie zusammen in einem Film mitgewirkt, um der Bevölkerung der Färöer-Inseln das Leben und das Wesen der Grindwale näher zu bringen und sie zu sensibilisieren. Mit dabei waren drei Einheimische (darunter auch ein Walfänger) und ein deutscher Biologe, als Berater mit fundiertem Wissen über die Wale. Der Film zeigt unter anderem die Bedrohung der Grindwale auf und weist auch auf das Gesundheitsrisiko bei dem Konsum von Walfleisch hin. Der Film zeigt auf, dass Whale-Watching eine wichtige, nachhaltige und alternative Einnahmequelle sein kann. Nur mit finanziellen Argumenten werden die Jäger zu überzeugen sein. Man soll Wale lebend genießen. Der Film erfreute sich großer Medienpräsenz, was die Beteiligten sehr positiv gestimmt hat. An der Konferenz in der Hauptstadt nahmen ca. 300 Personen teil. Durch den Film ist ein guter Nährboden für Diskussionen entstanden. So wird versucht, mehr Dialog zwischen den Parteien zu schaffen. Trotz der sehr hitzigen Stimmung im Moment ist dies gut gelungen.

Hans-Peter Roth zeigt Bilder von Langflossen Pilotwalen in Norwegen, denn auch dort sind sie zu finden, wenn auch nicht so leicht wie in Tarifa. Er rät allen, die Länder, welche wegen dem Walfang in der Kritik stehen, nicht zu boykottieren. Er ruft dazu auf dorthin zu gehen und den Leuten vor Ort die Alternative zum Walfang schmackhaft zu machen. Sie sollen uns die Tiere in Freiheit zeigen und diese Ressource nutzen. Das Whale-Watching bringt Geld und nur diese Sprache wird verstanden. Zum Schluss zeigt Hans-Peter Roth noch einen Film von schwimmenden Pilotwalen.

Firmm hat vom Ayuntamiento einen Kurzfilm über Tarifa erhalten, welcher jetzt gezeigt wird.

Danach folgt eine Präsentation von Volontär Albert. Er zeigt uns mit Bildern, wie er Tarifa gesehen und erlebt hat.

Zum Schluss folgen noch die Verdankungen durch Katharina. Nur mit dem großen Engagement vieler Freiwilliger, Interessierter, Gönner und Sponsoren kann die Stiftung erfolgreich sein.

So endet das 18. firmm-Treffen um 21.36 Uhr und wir freuen uns schon alle auf das 19. firmm-Treffen am 25. Feb. 2017!

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