Im Reich der Finnwale

von firmm Team

Text: Brigitte, Fotos: firmm

Als wir Ende Mai nach 9 Tagen ohne Ausfahrten wegen heftigem Levante endlich wieder aufs Meer konnten, wurden wir mit vielen Finnwal-Sichtungen beschenkt. Was man normalerweise über Finnwale weiß, ist, dass sie riesig sind. Unser Meeresbiologe José fragte einen unserer kleinen Passagiere an Bord, wie groß denn so ein Finnwal sei. Dieser wusste ganz stolz, dass sie 100 Meter lang werden. Na, ganz so groß sind sie dann doch nicht, aber mit etwa 25 Metern, immerhin ein Viertel davon. Ein anderer kleiner Gast wusste im Informationsvortrag vor der Ausfahrt, dass Walweibchen größer sind als die Männchen. Ob das stimmt? Die Antwort gibt’s weiter unten.

Während etwa 10 Tagen konnten wir uns über 9 Sichtungen freuen. Immer schwammen die Tiere in westlicher Richtung, was für diese Jahreszeit üblich ist.

Finnwal Sichtungen 30.05.-08.06.

  1. 30. Mai um 14:35, 5 Finnwale
  2. 31. Mai um 12:30, 4 Finnwale
  3. 31. Mai um 12:30, 4 Finnwale
  4. 01. Juni um 12:25, 3 Finnwale
  5. 01. Juni um 13:45, 3 Finnwale und um 14:15, 1 Finnwal
  6. 03. Juni um 12:50, 1 Finnwal
  7. 04. Juni um 11:20, 2 Finnwale + 2 Kälber
  8. 04. Juni um 14:40, 2 Finnwale, springend
  9. 08. Juni um 12:15, 1 Finnwal

6 Fakten, die Sie wahrscheinlich nicht über Finnwale wissen:

-) Weibliche Finnwale sind größer als männliche.

Der kleine Junge hatte also Recht. Und zwar ist das bei allen 6 Arten der Bartenwale der Fall. Diese Besonderheit nennt man reverser Geschlechtsdimorphismus und hat mit den extremen biologischen Anforderungen in Zusammenhang mit Fortpflanzung, Stillzeit und Migration zu tun. Ein größeres Weibchen kann mehr Fettreserven ansetzen.

-) Die Schnellzüge unter den Walen

Finnwale zählen zu den schnellsten Großwalen. Wegen ihrer Geschwindigkeit und ihres schlanken, stromlinienförmigen Körpers werden sie auch Windhunde der Meere genannt. In kurzen Sprints schaffen sie es bis auf etwa 47 km/h.

-) Der Wal mit dem asymmetrischen Gesicht

Das vordere Drittel (kann auch bis zur Hälfte sein) der Barten auf der rechten Seite ist sehr hell oder weiß. Im hinteren Teil sind sie dunkler gefärbt. Auf der linken Seite hingegen sind alle Barten dunkelgrau. Auch am Unterkiefer erkennt man diese Asymmetrie: rechts ist er weiß, links dunkelgrau. Bei der Zunge und dem Mundinnenraum verhält es sich anders herum: linke Seite hell, rechte Seite dunkel. Als Grund dafür gilt sowohl das Eintreiben der Beute als auch Tarnung.

-) Die beinahe vergessene Katastrophe

In Andalusien wurde der Finnwal etwa in den Jahren 1920-1960 von Booten gejagt, die von der Walfangfabrik in Getares (Algeciras) betrieben wurden. Etwa 5000 Tiere wurden in diesem Zeitraum getötet. Obwohl der Walfang jetzt schon lange zurück liegt, gibt es andere Bedrohungen für die Tiere. Der Status auf der Roten Liste der IUCN nach den Bewertungen von 2018–2021 wurde für die Mittelmeer-Subpopulation sogar von gefährdet auf stark gefährdet erhöht.

-) Ein Jahrhundert im Ozean

Finnwale können sehr alt werden. Bis zu 100 Jahre können sie durch den Ozean schwimmen. Es wurden aber auch schon deutlich ältere Exemplare gefunden. Bis 2010 galt ein Wal mit 116 Jahren als der älteste seiner Art. Dann wurde vor Dänemark ein Tier gefunden dessen Alter auf 130-140 Jahre geschätzt wurde. Wie kann man das Alter herausfinden? Experten analysieren dafür chemisch die Aminosäuren in der Augenlinse.

-) Gigantischer Hunger mit Gefahren

Mit einem Gewicht von 30-80 Tonnen, braucht der Finnwal schon eine ganze Menge Nahrung. Bis zu 2.000 Kilogramm filtert er dafür täglich aus dem Wasser. Alles was an Krill und kleinen Fischen in seinen Barten hängenbleibt, wird hinuntergeschluckt. Und leider auch das Plastik, das unfreiwillig aufgenommen wird. Dieser Kunststoff-Cocktail verstopft dann leider oft seinen Magen.

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