Endlich sind sie da...die Orcas
von firmm Team
Text: Lisa Bourgeois, Fotos: firmm
Wer schon einmal bei firmm einen Vortrag besucht hat, weiß: Etwa von Juli bis August kommen die iberischen Orcas in die Straße von Gibraltar. Dieser Gedanke war in unserer Volontär-Wohngemeinschaft allgegenwärtig, weshalb wir bereits seit Monatsbeginn gespannt und beinahe religiös die online gemeldeten Sichtungen nachverfolgten. Fast täglich stellten wir fest, wie sich die Positionen der Orca-Gruppen langsam unserem Standort näherten.
Am 18. Juli war es dann endlich so weit: Unser Meeresbiologe José bestätigte ihre Ankunft und noch am selben Tag wurde bei firmm eine dreistündige Ausfahrt zur Orca-Beobachtung angesetzt. Startzeit: 15:30 Uhr. Die Aufregung war riesig. Um auf keinen Fall etwas zu verpassen, entschieden Maria, Sam und ich uns sogar dafür, zusätzlich an der regulären Ausfahrt zuvor teilzunehmen. Zwar entdeckten wir auf dieser Tour keine Orcas, dafür durften wir ein junges Grindwal Baby beobachten, das verspielt aus dem Wasser sprang, es hatte sich also in jedem Fall gelohnt.
Zurück im Hafen warteten bereits die anderen firmm-Mitglieder, die mitfahren wollten, voller Erwartung: Maria, Christine, Eva, Antoine, Sam, Sascha und ihr Baby Isolde. Allen war die gespannte Vorfreude ins Gesicht geschrieben und keiner von ihnen wollte sich die erste Orca-Suche entgehen lassen.
Das Wetter war an diesem Tag fordernd: starker Wind, raue See, hohe Wellen. Trotzdem war die Stimmung an Bord elektrisierend. Als es schließlich Zeit war, die Spirit zu betreten, konnten wir unsere Begeisterung kaum zurückhalten. Kurz nach dem Ablegen entdeckten wir bereits einen Mondfisch – „Mola Mola!“, riefen wir alle im Chor, begleitet von staunenden Blicken. Und dann geschah es: In der Ferne erspähte José eine große, schwarze Rückenflosse. Sofort nahm das Boot Kurs auf, die Spannung war greifbar.
Wenige Minuten später war es so weit: Vor uns tauchte eine kleine Gruppe Orcas auf. Ein unbeschreiblicher Moment. Zunächst wirkten die Tiere ruhig und gelassen. Nach dem ersten begeisterten „Orca!“-Rufen und staunenden „Ooohs“ und „Aahs“ verfielen wir alle in ein ehrfürchtiges Schweigen. Die See war rau, doch das schien die Schwertwale nicht zu stören, denn sie tauchten anmutig durch die Wellen, mal sichtbar, mal nur zu erahnen. Schon bald konnten wir beobachten, wie einer der Orcas einen Thunfisch erbeutet hatte, was viel Staunen allerseits erzeugte. Die Tiere wurden mit der Zeit immer aktiver, zeigten sich häufiger an der Oberfläche, es war sogar ein Kalb zu sehen. Und dann geschah es: Ein Orca sprang. Hoch aus dem Wasser. Wir konnten unseren Augen kaum trauen und auch die Bootscrew, bestehend aus José, den Matrosen sowie Mechanikern Fabi, Eugenio und Jaime, war sichtlich beeindruckt. Bald waren wir von Orcas umgeben: wohin man auch blickte, überall gab es etwas zu beobachten und zu bestaunen.
Weitere Tiere begannen zu springen. Unsere kleine Mannschaft war ganz außer sich und die Bootsbesatzung schien ihren Augen kaum trauen zu können. Manche warfen sich seitlich, andere schwammen auf dem Rücken, klatschten mit den Flippern aufs Wasser oder schlugen mit den Fluken auf die Wellen. Immer näher kamen sie, einer rollte sich sogar direkt neben dem Boot. Ein anderer sprang in unmittelbarer Nähe hoch aus dem Wasser, man hätte fast die Hand ausstrecken können. Selbst Baby Isolde jauchzte vor Freude und zeigte begeistert mit dem Finger auf das Spektakel. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Es fühlte sich an wie eine perfekt inszenierte Show , doch nichts daran war inszeniert. Was die Orcas mit ihrem Verhalten ausdrückten, ist schwer zu sagen – aber sie berührten uns alle tief. Der Abschied kam viel zu schnell. Obwohl wir viel Zeit mit den Orcas verbringen durften, fiel es uns schwer, uns zu lösen.
Wenn ich heute an diesen Moment zurückdenke, bleibt vor allem ein Gefühl: Ungläubiges Staunen. Man konnte die Magie dieser Erfahrung kaum verarbeiten und auch im Nachhinein stelle ich noch mit Überraschung und Wunder fest, dass ich daran teil haben durfte. An diesem Abend schlief ich mit Bildern von springenden Orcas vor meinem inneren Auge ein.
Ein riesiges Dankeschön geht an Katharina und das gesamte Team von firmm, die mir diese einzigartige, unvergessliche Erfahrung ermöglicht haben.