Saison 2020 beendet

Die Sommerferien sind vorüber und Tarifas Straßen sind bereits seit Anfang September wie leergefegt. Auch wir haben deshalb den Betrieb für dieses Jahr eingestellt.

Trotz der kurzen Saison hatten wir viele besondere Sichtungen. Wir hoffen, dass sich die Lage bis zur nächsten Saison normalisiert und können es kaum erwarten, ab dem 26. März 2021 wieder mit Ihnen zu den Walen hinauszufahren.

Bis bald in Tarifa, Katharina Heyer und das firmm-Team

Dünenwanderung bei Levante

von Thomas Brückmann

Dünenwanderung mit Jörn – eine Exkursion zur Bolonia-Düne während stürmigem „Levante“

Text und Fotos: Thomas Brückmann

Bei strahlendem Sonnenschein und azurblauem Himmel, aber sehr stürmigen Windverhältnissen, die die See um Tarifa herum in einen weißgesprenkelten Teppich aus Schaumkronen verwandelten, fuhr die Studigruppe zusammen mit Jörn Selling nach Bolonia zu der dortigen natürlichen Dünenlandschaft.

An Ausfahrten zu den Walen und Delfinen hinaus in die Meerenge von Gibraltar war an diesem Tag leider nicht zu denken. Aufgrund der rauen See wären Sichtungen nahezu unmöglich gewesen – ganz zu schweigen von den alles andere als angenehmen Bedingungen an Bord. Daher findet an solchen Tagen für die Studigruppe immer ein entsprechendes Alternativprogramm an Land statt, das die ebenso reichhaltige Flora und Fauna der verschiedenen Küstenlandschaften um Tarifa den Studis näher bringen soll. Zeigt sich die Mittelmeerküste im Osten von Tarifa schroff und felsig, so befinden sich im Westen – zum Atlantischen Ozean hin – weite, ausgedehnte Sandstrände.

Eine Besonderheit an dieser westlichen Küstenlinie der Costa de la Luz sind die beiden Dünenlandschaften bei Punta Paloma und ein paar Kilometer weiter nördlich bei Bolonia.
 
Die Bolonia Düne Der Blick in Richtung Süden nach Tarifa 
 

Genau den heutigen Windverhältnissen ist es zu verdanken, dass die Dünen hier in den beiden Buchten entstehen konnten. Der Levante bläst hier den Sand von den langgezogenen vorgelagerten Stränden frontal an das Ende der Bucht. So ist über die Jahre eine beeindruckende Dünenlandschaft entstanden, die bei Bolonia ein Dünensystem von immerhin über 30 Meter Höhe und über 200 Metern Breite hat entstehen lassen. Und dieser Prozess der Dünenbildung ist noch in vollem Gange, wie man sehr anschaulich an der Dünenspitze sehen kann. Dort ergießt sich der Sand über die hier wachsenden Pinienbäume in Richtung Landesinnere und verschüttet diese langsam. Der Pinienwald wurde zur Stabilisierung des Küstenbereiches von Menschhand angelegt und stellt keinen natürlichen Bewuchs dar.

Dieses Dach der Dünenlandschaft war auch das Ziel der kleinen Wanderung mit Jörn. Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick auf das Meer und die Küstenlinie bis hinunter nach Tarifa.

Doch zuvor ging der Weg vorbei an der Ausgrabungsstätte der römischen Ruinenstadt Baelo Claudia aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. Noch sehr gut erhalten sind die Bereiche, an denen die Verarbeitung und die Einlagerung der gefangenen Thunfische und die Erzeugung der damals sehr begehrten Würzsosse Garum stattfanden.
Auf einem Brettersteg ging es weiter in Richtung Düne am Rande des Strandes teils angenehm im Schatten der Pinienbäume. Am Ende des Steges befindet sich eine Hinweistafel, die über die Geologie und Entstehung der Düne Auskunft gibt.
 
Das Ende des Brettersteges Entlang des Strandes in Richtung Düne 
 

Weiter ging es nun direkt über dem Sandstrand entlang an ein paar an Land gezogenen Fischerbooten und an mehreren Zeilen an Strandhafer (der bot. Gattung Ammophila) parallel zur Wasserlinie. Dieses anspruchslose Gras ist die einzige Pflanze, die es schafft in dem losen Sand Halt zu finden. Durch die Ausbildung von horizontalen wie auch von tief in dem Boden wachsenden vertikalen Wurzeln bildet sie ein weitverzweigtes Wurzelsystem, das nicht nur sie selbst, sondern die gesamte Düne, auf der sie wächst, festigt.
 
Strandhafer festigt die vorgelagerten Dünen Baumstümpfe schauen aus dem Dünensand 
 
 
Am Fuß der Düne angelangt, ging es nun stetig bergauf, vorbei an Baumstumpf- bzw. Stammresten, die auf einen ehemaligen Baumbewuchs am Rande der Düne schließen lassen. Über lange Zeit verschüttet sind sie wohl durch die Wanderdynamik der gesamten Düne wieder freigeweht worden.
 
Eine kurze Rast aus halber Strecke des Aufstiegs Fast ist das Ziel, die Spitze der Düne erklommen 
Die Krone der Düne ist erreicht Eine grandiose Aussicht bietet sich dem Betrachter in Richtung Süden 
 

Nun war die Spitze der Düne nur noch ein paar Schritte entfernt. Der Wind pfeifte uns allen um die Ohren und mit ihm waren wir einer Dauersandbestrahlung ausgesetzt – nicht nur im bodennahen Bereich der Füße und Waden wie unten am Strand, sondern nun auch piksend bis ins Gesicht.

Daher waren wir dann ganz froh, dass Jörn uns weiter an den Rand der Düne in den angrenzenden Pinienwald führte, wo sogleich die Sandstrahlung aufhörte. In dieser Umgebung roch es würzig nach Pinienharz und die Baumkronen boten allen einen erholsamen Schatten.

Entlang ging es auf einem sandigen Trampelpfad wieder bergab parallel zur Düne stets im Schatten der Pinien. Am Wegesrand machte uns Jörn auf eine gelbblütige Pflanze mit silbrigen ganz schmalen Blättern aufmerksam, deren Besonderheit ein intensiver Geruch nach Curry war. Dieser auch als Currykraut bezeichneter Halbstrauch (der bot. Gattung Helichrysum) wird überall in der Mittelmeerregion als Gewürzpflanze in der traditionellen Küche eingesetzt.

Als der Pininenwald sich lichtete war der Weg gesäumt von Wacholdersträuchern und die letzten Meter ging es relativ steil hinab über sogenannten Braunsand an charakteristischen Sandsteinformationen. Diese bestanden nicht nur aus Sand- und Kieselsedimenten, sondern waren gespickt mit Muschelschalen und anderen tierischen Überresten. An einem besonders großen Brocken war dies sehr schön zu sehen.
 
Wir verlassen die Düne in Richtung Pinienwald Im Pinienwald geht es schattig bergab Gelbblütiger Strauch mit intensiven Geruch nach Curry Entlang an Stäuchern mit Wacholderbeeren Es wird steiler, der Abstieg von der Düne Der Weg führt weiter durch einen als Braundüne bezeichneten Bereich 
Jörn erklärt die Entstehung des Sandsteinbrockens Nahaufname des Sandsteins bestehend aus größeren und kleineren Kieseln 
 

Nun war auch schon das „offizielle Ende“ der Wanderung erreicht und Jörn stellte es allen Teilnehmern frei, ihren Aufenthalt am Fuß der Düne – es war gerade erst gegen 17 Uhr – zu verlängern. Da sich die aufgesuchte Stelle in einem windgeschützten Bereich des Strandes befand, nahmen viele das Angebot sofort wahr. 

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