Saison 2020 beendet

Die Sommerferien sind vorüber und Tarifas Straßen sind bereits seit Anfang September wie leergefegt. Auch wir haben deshalb den Betrieb für dieses Jahr eingestellt.

Trotz der kurzen Saison hatten wir viele besondere Sichtungen. Wir hoffen, dass sich die Lage bis zur nächsten Saison normalisiert und können es kaum erwarten, ab dem 26. März 2021 wieder mit Ihnen zu den Walen hinauszufahren.

Bis bald in Tarifa, Katharina Heyer und das firmm-Team

22. firmm-Treffen am 22. Februar 2020 in Aarau

von firmm Team

Text: Andrea Stampfli, Fotos: Thomas Brückmann und Stefan Bichsel

Am 22. Februar 2020 findet das alljährliche firmm-Treffen bereits zum 22. mal statt! Katharina begrüßt die wie jedes Jahr zahlreich erschienenen Wal- und Delfinfreunde. Auch dieses Jahr sind wieder Einige extra aus dem Ausland angereist. Insbesondere sind viele Personen aus Deutschland und Österreich, sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Spanien anwesend. Speziell heißt Katharina auch den ganzen Stiftungsrat willkommen.

Stiftungsrätin Prof. Dr. Patricia Holm und Jörn Selling, Meeresbiologe von firmm haben ein wissenschaftliches Paper über dieVerletzungen und den Gesundheitszustand der Cetaceen in der Straße von Gibraltar verfasst, welches von Prof. Dr. Patricia Holm bereits in der IWC präsentiert wurde und im „Aquatic Mammals Journal“ veröffentlicht wurde. Katharina dankt beiden für die wertvolle Arbeit und dass firmm Teil davon sein durfte.

Samuel Notz, jüngstes Stiftungsratsmitglied, erläutert kurz den weiteren Ablauf des Abends.

Meeresmüll und Mikroplastik

Eine besondere Bedrohung für Wale und Delfine?

Prof. Dr. rer. nat. Patricia Holm

Im Dezember 2019 ist an der Küste Schottlands ein Pottwal mit über 100 kg Müll im Magen gestrandet. Immer wieder stranden Tiere, deren Mägen gefüllt sind mit Plastik.

Die Meere sind immer mehr mit Plastik zugemüllt. Ursprünglich sind es 5 große Plastikstrudel/-teppiche die im Meer schwimmen und immer mehr Plastik Müll aufnehmen, was auf den Satellitenbildern schon länger gut erkennbar ist. Wie auf neuen Bildern ebenso gut erkennbar ist, breiten sich die Strudel stetig aus. Bald wird es einfacher sein Regionen zu identifizieren, in denen kein Plastik schwimmt. Die Strudel verschmelzen immer mehr. Schätzungsweise hat es über 5 Billionen Plastikteile mit einem Gesamtgewicht von 250.000 Tonnen in den Ozeanen.

Wo liegt aber das Problem? Wofür wird Plastik verwendet? Man kann Plastik nicht grundsätzlich verteufeln. Plastik hat auch gute Eigenschaften. Es ist leicht, gut formbar und wird z.B. für das Gewährleisten von Hygiene gebraucht. Hingegen wird es aber auch zu fast 40 % für Verpackungen verwendet. Auch das ist grundsätzlich noch kein Problem.

Das Problem liegt in der Nutzungsdauer; darin wie lange Plastik im Einsatz ist. Im Bausektor ist Plastik z.B. bis zu 35 Jahre im Einsatz. Bei Verpackungen liegt die durchschnittliche Gebrauchsdauer jedoch nur bei ca. 2 Monaten. Und was passiert danach damit?

Die Schweiz ist Weltmeister in der Entsorgung von Abfällen. Sie besitzt keine Deponien und hat die größte Recycling und Recovery-Rate. Darauf können wir stolz sein. Andere Europäische Länder die am Meer liegen besitzen weiterhin Deponien und verfügen über kein gutes Abfallmanagement. Am Meer ist es stets windig und so gelangt nullkommanichts Plastik ins Meer. Aber auch in der Schweiz vergeht kein Tag ohne Plastik. Selbst das Gemüse aus dem Offenverkauf war einmal mit Plastik in Berührung. Das Meiste kommt aus Spanien.

Aus Huelva z.B. kommen so ziemlich alle Erd-, Him-, Brom,- und andere Beeren, wofür dem Nationalpark Doñana das Wasser abgegraben wird. Das berühmte «Mar de Plástico», ein riesiges Meer aus Treibhäusern, ist in Almería, der weltweit größten Intensiv-Anbaukultur, einem Gebiet von über 360km2 (entspricht ca. 10 Mal dem Kanton Basel-Land). Dort wird unser Gemüse unter Plastik angebaut. Der Plastik zerreißt und wird meist nicht ordentlich entsorgt und gelangt somit ins Meer. Auch aus der Fischerei gelangt viel Abfall in Form von Netzen und Leinen ins Meer. Das Mittelmeer ist eines der am stärksten verschmutzten Meere und wird auch als Plastikfalle bezeichnet.

Im Gegenteil zu Mikroplastik (kleiner als 5 mm) sind die großen Teile des Makroplastiks gut sichtbar. Plastik zersetzt sich nicht in Moleküle, sondern nur in Fragmente. Diese entstehen durch thermische, photochemische (elektromagnetische Strahlung, z.B. UV), chemische (Salz, etc.) und physikalische Zersetzung (Erosion durch Wind, Wellen, Sand). Die Fragmente treiben auf der Wasseroberfläche wenn sie leichter sind als Wasser, setzen sich am Gewässerboden ab wenn sie schwerer sind oder werden ans Ufer geschwemmt. Primäres Mikroplastik wird in der Form von kleinen Pellets z.B. auch in Zahnpasta und Peeling-Cremes verwendet. Wie wichtig ist aber das Problem mit dem Mikroplastik? Man sieht es ja kaum. Das was wir sehen können, ist nur die Spitze des Eisbergs. Nur 1,4 % der Partikel sind größer als 5 mm und somit gut sichtbar. Durchschnittlich befinden sich 463 g Mikroplastik pro m2 im Mittelmeer. Dies macht im gesamten Mittelmeer über 3 Billionen Partikel aus.

Doch wie wirkt sich Plastik auf die Wale aus? Sie können sich in Plastik verwickeln. Leinen und sonstiger Müll, können sie bei der Fortbewegung und somit auch bei der Jagd entscheidend behindern. Gerade bei seltenen Arten kann bereits der Verlust eines einzelnen Tieres verheerende Folgen für den Fortbestand derselben haben. Immer wieder stranden Tiere, deren Mägen gefüllt sind mit Plastik. Noch nicht erklärbar ist, wieso insbesondere Pottwale, Cuvier’s Schnabelwale und Rundkopf-Delfine, die mit Echolot jagen und nicht nach visuellen Reizen, so viel Plastik aufnehmen. Ebenso ist die Auswirkung der Aufnahme von Mikroplastik noch nicht bekannt. Versuche mit Wasserflöhen zeigen, dass das Mikroplastik welches aufgenommen wird, wieder vollständig ausgeschieden wird. Sicher benötigt allein der Prozess der Aufnahme und Ausscheidung viel Energie, die dem Tier im Nachhinein fehlt. Die Aufnahme von Mikroplastik bei Walen und Delfinen wird über die Auswertung der Futtertiere gemessen und setzt komplexe Fragen und Auswertungen voraus. Unter anderem stellen sich Fragen wie: Was sind die bevorzugten Futtertiere? Nehmen diese Futtertiere Mikroplastik auf? (z.B. in Makrelen wurde bei 71 % der untersuchten Tiere Mikroplastik gefunden)

Prof. Dr. Patrizia Holm hat das von ihr und ihrem Mann geschriebene Büchlein „Ehrfurcht vor dem Leben“ bei den Ständen aufgelegt. Dieses kann kostenlos mitgenommen werden und wer mag, kann dafür etwas in die firmm-Kasse spenden.

Vorstellen des Stiftungsrates, der Mitarbeiter und Volontäre, und Rückblick über die Saison 2019 - Katharina Heyer

Katharina stellt den Stiftungsrat, alle Mitarbeiter/innen und alle Volontär/innen der Saison 2019 vor. Sie bedankt sich bei ihnen und allen die zum Gelingen einer erfolgreichen Saison 2019 beigetragen haben für die geleistete Arbeit.

Katharina entführt alle Anwesenden mit schönen Bildern nach Tarifa. Sie erklärt allen die Tarifa noch nicht kennen, den speziellen Standort an welchem firmm stationiert ist und wo sich die Tiere aufhalten. Dies wird mittels Sichtungskarten verdeutlicht, auf denen auch die Routen der Fähren eingetragen sind. firmm verfügt mittlerweile über mehrere Büros in Tarifa, ist aber immer noch auf der Suche nach einer besser geeigneten Hauptniederlassung. Das kleine Hauptbüro befindet sich seit Gründung im Zentrum, etwas verborgen in einer Seitengasse. Die beiden Boote von firmm liegen nebeneinander festgemacht im Hafen. Noch immer hat firmm keinen festen Liegeplatz zugeteilt bekommen.

Im Jahr 2019 fuhren auf den firmm-Ausfahrten 33.445 Touristen mit. Da infolge starken Windes nur 59 Tage ausfielen, sind deutlich mehr Arbeitstage als im Vorjahr zusammengekommen. Es wurde mittels 1'700 Vorträgen Wissen und Information an die Touristen vermittelt. In der Form eines Kurzfilms von Sebastian Kanzler erhalten alle einen Einblick, wie es auf einer solchen Bootsfahrt von statten geht.

Danach präsentiert Katharina die Sichtungszahlen der Tiere. Da 47 Fahrten mehr durchgeführt wurden, sind natürlich auch mehr Tiersichtungen verzeichnet worden. Katharina zeigt zu allen Tierarten Kurzfilme mit wunderschönen Sequenzen.

Im Jahr 2019 mussten keine Ausfahrten in der Bucht von Algeciras stattfinden, da es nur wenige Windtage zu verzeichnen gab. Trotzdem wurden die meistens in der Bucht lebenden Gewöhnlichen Delfine auch häufig in der Straße von Gibraltar gesichtet.

Auch die gestreiften Delfine waren wieder in großen Gruppen unterwegs und sorgten immer für ein schönes Erlebnis.

Bei den großen Tümmlern wurden über 23 Neugeborene gesichtet und die größte Gruppe zählte 75 Tiere (Durchschnittliche Gruppengröße ca. 45 Tiere).

Bei den Grindwalen konnten 2 eindrückliche „Entradas“ mit je ca. 150 und ca. 200 Tieren beobachtet werden. Die Grindwale ziehen sich bei starkem Levante (Ostwind) ins Mittelmeer zurück und kehren dann gemeinsam in großen Gruppen wieder in die Straße zurück.

Auch die Orcas wurden wieder etwas mehr gesichtet, wenn auch noch lange nicht in dem Maße von früher. Katharina freut sich immer wieder besonders, wenn sie jedes Jahr, wie seit 22 Jahren schon, die Matriarchin wiedersehen darf. Die Orcas ziehen vermutlich wegen den vielen Jungtieren zurzeit nicht allzu weit weg.

In der vergangenen Saison gab es auch im September und Oktober, also außerhalb der Pottwal-Hauptsaison im Frühling, sehr viele Pottwal-Sichtungen. Eine ganz spezielle Begegnung ergab sich, als ein Pottwal genau unter dem Boot auftauchte und dann gemütlich wegschwamm. Alle auf dem Boot waren in dem Moment andächtig still. Immerhin ist ein Pottwal bis zu 18 m lang und das macht auf dem dann klein wirkenden firmm-Boot doch großen Eindruck.

2019 konnten ca. 40 Finnwal-Sichtungen mit insgesamt 65 Tieren und 8 Jungtieren verzeichnet werden.

Die Tierpatenschaften sind auf 480 angewachsen.

Nach 20 Tagen, an denen ununterbrochen Ausfahrten stattfanden und die Crew pausenlos durchgearbeitet hatte (es gab keinen Wind), organisierten sie eine tolle Geburtstagsparty für Katharina.

An den „Beach-Cleaning-Tagen“ war Jörn Selling dieses Jahr in einer Schule und anschließend an 2 halben Tagen mit über 200 Kindern am Strand. Gemeinsam haben sie besonders verschmutzte Abschnitte gesäubert. firmm hat hierfür die wiederverwendbaren Handschuhe gesponsert. Die Schulen möchten die Beach-Cleaning-Tage auch nächstes Jahr wieder durchführen.

Ebenso gab es wieder Schiffe von Drogenhändlern zu sichten und vereinzelte Begegnungen mit Flüchtlingen die mit kleinen Booten versuchen die Straße zu überqueren.

Ein spezielles Bild ergab sich im Hafen, als über mehrere Wochen rund 300–400 Erntehelfer/innen täglich aus Marokko mit den Fähren ankamen und einige Monate darauf wieder mit vollbepackten Koffern zurückkehrten.

Am 11. August 2019 kam ein Filmteam vom WDR vorbei und drehte eine Folge der Sendung „WDR-Bus-Tour-TV“ in Tarifa. Sie begaben sich gemeinsam mit Volontär Alexander auf eine Ausfahrt. Einmal mehr mit einer Filmcrew an Bord, ließen die Wale firmm nicht im Stich und sorgten für ein einmaliges Erlebnis. Nachdem eine große Gruppe von gestreiften Delfinen für Unterhaltung und schöne Aufnahmen gesorgt hatte, tauchte wie aus dem Nichts und völlig außer Plan eine große Gruppe von Orcas auf, die durch die Straße zog!

Quiz

Zum ersten Mal findet ein interessantes Quiz statt, welches das firmm Team aus Tarifa in Zusammenarbeit mit Daniel Ihly und Heike Pahlow vorbereitet hatte. 10 spannende Fragen bringen alle Anwesenden ins Grübeln und sorgen für gute Unterhaltung. Später erfolgt die Auflösung und Preisverteilung. Es gab 12 tolle Preise zu gewinnen, welche von Reto Roderer organisiert wurden.

Stand Verlauf Projekt SABA und aktuelle Themen die firmm in der Saison 2019 beschäftigt haben

Jörn Selling, Meeresbiologe von firmm aus Tarifa

Jörn Selling präsentiert ein kurzes Update zu dem Projekt SABA (System zum Festmachen von Schiffen in der Bucht von Gibraltar). Es geht darum den Boden der Bucht vor den Ankern der großen Schiffe zu schützen. Bereits am firmm-Treffen 2018 und 2019 hat Jörn Selling das Thema ausführlich erläutert.

Es geht darum eine Firma zu finden, die Unterwasseraufnahmen von der Bucht macht. Ebenfalls wird ein Schiff benötigt, das in der Lage ist eine geeignete Kamera wassern zu können. Eine einzige Firma hat dann schließlich doch noch eine Offerte eingereicht und mitgeteilt, dass für das Projekt 5 Genehmigungen notwendig sind. Die Firma hat die ersten Zwei der entsprechenden Genehmigungen ordnungsgemäß eingereicht. Wenn man jedoch etwas einreicht, so erhält man keine Antwort und die Anträge verschwinden in einem „schwarzen Loch“. Es wird viel Geld verdient in der Bucht und daher sind mögliche Einschränkungen nicht erwünscht. Trotz bereits bestehender Schutzgebiete in der Bucht, wird weiter innerhalb derselben geankert. Außerdem ist das Ankergebiet erweitert worden. Zum Glück gibt es nun aber eine Partei, die sich zumindest gegen die geplante Hafenerweiterung wehrt und Einspruch vor dem Europäischem Parlament eingereicht hat, denn die Erweiterung soll direkt an eines der Schutzgebiete grenzen. Jörn Selling hat keine Ahnung wie es nun weitergehen soll. Den ordentlichen Weg und Ablauf einzuhalten scheint, wenn man weiterkommen will, nicht zielführend zu sein.

Zum zweiten Teil seines Vortrages äußert Jörn den Verdacht, dass Pottwale, die mit Echolokation jagen und trotzdem Plastik fressen, dass Plastik mit Tintenfischen verwechseln, da womöglich ein ähnliches Muster bei der Echo-Ortung erzeugt wird. Er regt an, dass dies doch eine Untersuchung/Studie wert wäre.

Aber sein eigentliches Thema sind die Finnwale, die bis zu 100 Jahre alt werden. Sie schwimmen im Frühling raus in den Atlantik und im Herbst rein ins Mittelmeer. Gehören die Wale in der Straße von Gibraltar zur selben Population wie diejenigen vom Mittelmeer? Bestandsschätzungen im Jahr 2003 ergaben, dass die Population im Mittelmeer ca. 2000–8500 Tiere umfasst. 901 Tiere davon in der Ligurischen See. Die meisten Finnwale schwimmen im Sommer nach Westen, weshalb sich Jörn Selling beim erstellen der Studien auf diese konzentriert hat. Es werden konstant Sichtungen gemacht und somit ergibt sich ein klares Muster des Wanderverhaltens. Der Höhepunkt der Wanderung ist im Juni. Auf 24 Stunden Whalewatching Hochgerechnet, wandern ca. 65 Wale nach Westen. Die Strömungsgeschwindigkeit in der Straße von Gibraltar variiert. Bei Ebbe entsteht ein Sog ins Mittelmeer, während bei Flut am wenigsten Strömung herrscht und es somit am leichtesten für die Wale ist, in den Atlantik raus zu schwimmen. Es wurde beobachtet, dass die Wale hinter dem Felsen von Gibraltar abwarten, bis die Strömung passt und erst dann die Straße durchqueren.

Wandern die Wale früher mit dem Klimawandel? Bei den Beobachtungen des Wanderverhaltens von Vögeln hat man die Erkenntnis gewonnen, dass sich diese ca. 2 Wochen früher auf den Weg machen. Um festzustellen ob nun auch die Finnwale ihre Wanderungen früher antreten, hat Jörn Selling alles nochmals durchgerechnet. Dabei hat er festgestellt, dass die Wale tatsächlich auch früher wandern.

Zu welchem Bestand gehören nun die Finnwale in der Straße von Gibraltar? Die Summe aller Sichtungen pro Monat deutet auf ein Wanderverhalten hin, welches nicht mit dem der Finnwale in der Ligurischen See übereinstimmt, die im Sommer dort bleiben. Zwischen 1921 und 1926 wurden mindestens 4149 Finnwale vor Gibraltar getötet. Bis Anfang der 80er Jahre wurden sie bis Finisterre (Galizien) weitergejagt. Das schnelle Ende der Population legt nahe, dass es sich um einen kleinen lokalen Bestand handelte. Außerdem zeigen Isotopenanalysen, dass sie sich anders ernähren als die im Mittelmeer ansässigen Finnwale. Ein mit Peilsender gekennzeichneter Finnwal wanderte von der Ligurischen See bis Nord Portugal. Neueste Analysen von stabilen Isotopen von C, N und O aus Hautproben von 151 Finnwalen aus West Finnland, Galizien (Finisterre), den Azoren und der Straße von Gibraltar zeigen, dass sich die vier Gruppen in den gleichen Jagdgründen im Nordost Atlantik, aber zu verschiedenen Zeiten ernähren. „Unsere“ Wale sind im Sommer dort. Im Winter ernähren sie sich im Mittelmeer.

Anhand unserer Daten können wir vorsichtig von einer kleinen Erholung des Bestandes ausgehen. Zur Bestätigung müssten wir aber die tatsächliche Anzahl berechnen.

Anhand des Ohrenschmalzes eines Wals, der sich Jahresringe bildend als Gehörzapfen im äußeren Gehörgang ablagert, kann man die Konzentrationen des angereicherte Stresshormons Cortisol über die Lebensjahre analysieren. Daraus wird der durch Menschenhand verursachte Stress auf Wale erkennbar (z.B. wann der 2te. Weltkrieg war, der Höhepunkt des Walfans erreicht wurde, etc.).

Mit Bildern eines springenden Wals beendet Jörn seinen äußerst informativen als auch unterhaltsamen Vortrag. Danach konnten noch Fragen an Jörn Selling gestellt werden, was zahlreich genutzt wurde.

Gibt es auch weitere Wale als die Bekannten in der Straße von Gibraltar?

Jörn Selling: Es waren einmal 14 Arten. Heute sind es noch 7. Ab und zu werden aber auch einzelne Buckelwale und Zwergwale gesichtet.

Kann man etwas gegen die vorherrschende Algenplage tun?

Jörn Selling: Nein. Die invasive Algenart breitet sich überall aus. Sie ist vor allem im Sommer aktiv, wenn es schön warm ist. Dort wo sie wächst stinkt es und hat z.B. auch keine Seeigel mehr. Die Algenart wächst sogar auf den sich fortbewegenden Seegurken. Eine Möglichkeit bestände allenfalls darin, natürliche Feinde aus Japan zu importieren. Allerdings besteht auch da die Gefahr, dass sie einheimische Arten bevorzugen und dann alles nur noch schlimmer wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Natur das selber regelt.

Kann man gegen den Lärm der Schiffe nichts machen?

Jörn Selling: Es gibt Elektro- oder Hybridmotoren, oder auch schall- und vibrationsarme Dieselgeneratoren die einen ruhigeren Elektromotor antreiben. Die Leistung ist aber noch nicht ausreichend. Da Zeit Geld ist, ist der Wille zur Verbesserung der Lärmverschmutzung in der Schifffahrt eher gering.

Gibt es auch Zählungen und Statistiken zum Vorkommen anderer Tiere als dem Finnwal?

Jörn Selling: Es gibt keine aktuellen Zählungen. Es wurden mal Zählungen von Grindwalen mittels Foto-ID gemacht. Dies ist jedoch schon länger her. Ansonsten sind es die Erfahrungswerte. Gewöhnliche Delfine, welche auf die Bucht von Algeciras angewiesen sind, sind im Mittelmeer praktisch ausgestorben. Nur rund um Gibraltar und Malta gibt es ist noch mehr oder weniger stabile Populationen. Dem gestreiften Delfin geht es dank seinem ozeanischen Verhalten besser. Den Tümmlern geht es auch einigermaßen gut. Sie sind möglicherweise resistenter gegen den Morbillivirus, welcher das Mittelmeer immer wieder heimsucht, als die Grindwale. Pottwale stranden im Mittelmeer (Folgen des Plastiks) immer häufiger. Der Finnwal Bestand hat sich etwas vergrößert, wird aber nie wieder auch nur annähernd die Zahlen von früher erreichen.

Was kann gemacht werden, dass die Schiffe weniger gefährlich sind für die Wale?

Jörn Selling: Nur langsamer fahren!

GP Challenge 2020, Gibraltar bis Palermo

Rüdiger Böhm und Lars Kyprian

Eine außergewöhnliche Herausforderung: 2 Männer, 2 Beine, 1 Boot, 2020 Seemeilen von Gibraltar bis Palermo. Es wird in Tarifa gestartet. Dann werden Rüdiger Böhm, der bei einem Unfall seine Beine verlor, und sein Freund Lars Kyprian (ehemaliger Kadersegler), mit einem Rennkatamaran die 2020 Seemeilen bis Palermo bewältigen. Unterstützt werden sie dabei von einem Begleitboot.

Samuel Notz stellt die beiden Abenteurer kurz vor und fragt sie dann: Wie seid ihr zu diesem Projekt gekommen?

Lars Kyprian: Rüdiger ist als guter Freund einmal zu einem Kaffee vorbeigekommen. Nach vielen Stunden und 2 Proseccos ist bei mir die Idee entstanden, man könnte doch mal ne Segelchallenge machen. Ich habe zuerst gedacht, dass dies auf keinen Fall gehen würde - ohne Beine. Ein paar Proseccos später dachte ich dann, eventuell würde es mit einem Katamaran funktionieren. Lass uns das doch mal auf einem See testen. Dies habe man dann daraufhin auch auf dem Gardasee gemacht und es hat funktioniert.

Rüdiger Böhm: Ich bin beruflich als Motivationscoach tätig. Grenzen entstehen im Kopf. Ich will mit meinen verrückten Ideen und Projekten immer zeigen was dies heißt. Ich will zeigen, dass es für jeden möglich ist mit Leidenschaft etwas zu erreichen, wenn es denn gewollt ist. Genau so wie es auch Katharina eindrücklich bewiesen hat.

Lars Kyprian und Rüdiger Böhm abwechselnd: Der Start des Katamarans und eines Beibootes wird am 28. August 2020 ab Tarifa bei firmm erfolgen. Die Idee wäre, dass der Start von den firmm-Booten und Walen begleitet wird. Da wir später mit einem Dokumentarfilm auf Tour gehen, wäre dies auch Werbung für firmm. Außerdem werden im Nachhinein mehrere Events und Sponsoringanlässe stattfinden, an welchen firmm auch im Film präsent sein wird. Außerdem wird ein Armband verkauft werden, dessen Erlös zu je 50 % an den Verein für Menschen mit Handicap- und zu 50% an firmm gehen wird. Auf dem Vorsegel werden alle verewigt, die etwas für das Projekt gespendet haben. Bei allen heutigen Spenden gehen ebenfalls 50 % an firmm.

Samuel Notz wünscht den Beiden im Namen aller alles Gute, dass alles gut gehen möge und gratuliert für den großen Mut.

Zum Schluss bittet Katharina alle Nicht-Schweizer die Europäische Bürgerinitiative „Sharkprojekt“ zu unterzeichnen.

Mit den Danksagungen an alle Medien, Firmen und an alle Menschen die in irgendeiner Form die Stiftung unterstützt haben, endet das 22. firmm-Treffen um 21.40 Uhr.

Das 23. firmm-Treffen wird am 20. Februar 2021 stattfinden.

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