Impressionen des Buches "Herzenssache"

von Sonja Van Den Bossche

Es herrschte eine gespannte Stille im weißen Saal des Volkshauses in Zürich, am 19. November 2016.Glänzende  Augen, schüchternes Lächeln, zurückhaltende Stimme. Katharina Heyer war offensichtlich bewegt von der großen Besucherzahl, als sie ihre Familie und die Unterstützer von firmm zur Präsentation ihres Buchs ‘Herzenssache’  von der Bühne aus begrüßte. Aber die Atmosphäre änderte sich, als Katharina und die Gäste vom Enthusiasmus von Gabriella von Arx, Direktorin des Wörterseh Verlags, sowie vom Humor ihres Ehemanns Frank Baumann, einem Schweizer Fernsehpräsentator und der Gelassenheit von Michèle Sauvain, der Co-Autorin des Buches, gepackt wurden.

Es war ein faszinierender Abend und viele gingen zufrieden und mit einem von Katharina signierten Buch als Souvenir nach Hause. Aber dieses Buch ist nicht eines, dass man ungelesen ins Bücherregal stellt. Im Gegenteil,  wenn man erst einmal mit den ersten Seiten begonnen hat, kann man fast nicht mehr aufhören, denn ‘Herzenssache’ ist die wahre Geschichte, von einem Abschnitt des Lebens von Katharina Heyer. Die Geschichte will nichts verbergen und ist sehr flüssig geschrieben, zu dem  bringt sie den Leser aber auch zum Nachdenken.

Gabriella von Arx  Katharina Heyer und Frank Baumann 

Auf den ersten Blick

Beim ersten Blick auf  ‘Herzenssache’ fällt einem der farbige Umschlag auf. Auf der Vorderseite zeigt er Katharina Heyer in rot gekleidet neben drei springenden Großen Tümmlern. Ein Orca ziert die Rückseite.

Buchumschlag 

Der Titel ‘Herzenssache’ ist in sehr großen, roten Buchstaben geschrieben. Alle Bilder und Buchstaben sind auf einen blauen Hintergrund gedruckt. Rot ist die Farbe des Herzens und der Liebe. Blau ist die Farbe des Meeres, des Himmels und des Logos von firmm.

Die Großen Tümmler auf der Vorderseite springen gleichzeitig und bilden eine Herzform, was sich auf einen entscheidenden Teil am Anfang des Buches bezieht:

»Wir standen an der Reling und schauten hinüber zu dem goldenen Streifen im Osten, als plötzlich ein riesiger Delfin hoch in die Luft schnellte. Er drehte sich um die eigene Achse und tauchte wieder ab, während fast zeitgleich zwei weitere Delfine aus dem Wasser aufstiegen und in hohem Bogen aufeinander zu sprangen. Wieder schauten Rita und ich einander ungläubig an. Die Delfine bildeten mit ihren Körpern ein Herz!« (p. 23)

Zusammen mit der Wolke in Form eines Delfins (S. 13-14) war dies ein Zeichen für Katharina: sie war nach Tarifa gekommen, weil sie Delfine so sehr liebte und sie diese sehen wollte. Es war, als ob die Natur und die Tiere dies fühlten: sie liebten sie auch und luden sie ein zu bleiben.

Baby Orca Wilson, der Liebling der Besucher auf dem firmm-Boot während der Orcasaison, ziert die Rückseite des Buches. Katharina Heyer erkennt ihn an seinen weißen Flecken über seinen Augen.

Von Innen nach Außen und Rundherum

  • Hauptcharaktere

Katharina Heyer ist die Frau um deren Lebensgeschichte es in  ‘Herzenssache’
geht. Diese Hauptfigur und ihre Stiftung firmm brauchen keine
Einführung. Der Presseteil der offiziellen Homepage von firmm beinhaltet
einen kurz gehaltenen, aber eindrücklichen Lebenslauf von Katharina Heyer und
eine genaue Chronologie von firmm, vom Beginn in Tarifa (1997)
bis jetzt. Es wurden bereits einige Artikel über Katharina HeHKSJDHeyer und firmm in verschiedenen Schweizer und Deutschen Magazinen veröffentlicht. Auch wurden Dokumentationen und ein Film (The Last Giants – Wenn das Meer stirbt, 2009) gedreht. Zudem tritt sie regelmäßig in Radiosendungen und im Fernsehen auf. Michèle Sauvain, Mitautorin des Buches, hat alle Teile, die es bereits über firmm
und Katharina gab gesammelt und daraus ein Ganzes gebildet, welches alles
bisher produzierte übertrifft. Sie hat zudem die vorhandenen Informationen bis
in die Tiefen recherchiert und so noch mehr Details hinzugefügt. So ist das
kürzlich publizierte Buch komplett und aktuell. Durch dieses Buch stellte uns
Michèle Sauvain eine sehr bewegende Beschreibung der letzten 19 Jahre vom Leben
von Katharina Heyer zur Verfügung. Es ist eine (Auto)Biografie, welche uns zur
selben Zeit viele Hintergrundinformationen über Katharinas langjährige und
treue Begleiter, die Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar, liefert.Es gibt Bezüge zur wichtigen Forschung von Prof. Dr. David Senn (Uni Basel) und auch zu Katharinas Zusammentreffen mit den ersten Gewöhnlichen Grindwalen,so kann dieses Buch auch als wichtiges Referenzbuch benützt werden. Ohne Zweifel ein Muss für jeden, der sich für die Aktivitäten von Katharina Heyer und firmm interessiert. Es handelt sich um einen professionellen Führer für spätere firmm Volontäre in Tarifa

 

  • Titel

Das Buch heißt ‘Herzenssache’ was nicht ein original Titel ist, denn in deutschsprachigen Ländern tragen viele Stiftungen und Aktionen für wohltätige Zwecke diesen Namen. Aber es ist ein starker Name, kurz und süß, komplett passend für Katharina Heyer. Um den Titel in seiner Gesamtheit zu verstehen, muss man ihn eng verbunden mit dem Untertitel: ‘Mein Leben mit den Walen und Delfinen in der Straße von Gibraltar’ sehen.Ein Bezug zu den 19 Jahren im Leben der Katharina Heyer mit einem fast ununterbrochenem Engagement, einer reinen Leidenschaft für ihre ‘Tiere’ in der Straße von Gibraltar. Im Alter von 55 Jahren hatte Katharina genug vom Alltagsstress, den Erwartungen ihrer Klienten, dem ständigen Reisen aus beruflichen Gründen. Es verschlug sie nach Tarifa, um dem ständig zunehmenden Schiffsverkehr in der Straße von Gibraltar und der zunehmender Anzahl an Delfinarien in Spanien die Stirn zu bieten. Durch die Gründung von firmm wollte Katharina Heyer informieren und Forschung betreiben, denn nichts war über das Vorkommen von Meeressäugern in  der Straße von Gibraltar bekannt. Als ihre Stiftung in Spanien erst einmal erfolgreich wurde, hatte sie Zeit um sich eine neue Aufgabe zu suchen. Unter anderem war es ihr Ziel auf der andern Seite der Straße, in Marokko ein Heim für Delfine aufzubauen, welches alten Delfine aus Delfinarien ein zu Hause geboten hätte. Das Vorhaben scheiterte jedoch. Seitdem unterstützt firmm auch andere Projekte, welche Delfine und Wale in der freien Wildbahn, in der Straße von Gibraltar schützen. Wie genau sich Katharina Heyer an alle Details der Aktivitäten in Tarifa und Tangier erinnern kann- vom Anfang bis jetzt- kann wohl auch als Zeichen dafür gedeutet werden, wie sehr sie diese Tiere liebt und dass ihr deren Schicksale ans Herzen gehen. Das Wort Herz steht im Buch sehr oft geschrieben, besonders dann, wenn die tiefen Gefühle die Katharina für die Tiere hegt, beschrieben werden.

Mindestens 300 Kargo-Schiffe fahren jeden Tag durch die Stra<span style 

  • Inhalt

In ihrem Vorwort bezieht sich die Mitautorin Michèle Sauvain auch auf den Titel des Buches, ‘Herzenssache’ in dem sie Katharina wortwörtlich zitiert: S.7-8:

Michèle Sauvain is reading ‘Herzenssache’ aloud to a large audience.

 

»Irgendwann fragte ich sie, warum es sie, die erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter von zwei erwachsenen Kindern, in doch eher späten Jahren nach Tarifa verschlagen hatte. Ihre Antwort war ebenso kurz wie einfach: »Wegen der Tiere.« Keine Liebesgeschichte? Kein Mann?»Nein, keine Liebesgeschichte, aber trotzdem eine Herzenssache! Du kannst dir nicht vorstellen, was das für ein Gefühl ist, mit diesen Tieren draußen auf dem Meer zu sein. Es ist einfach wichtig, dass ich den Menschen zeige, dass man sie schützen muss.«

Nachdem Michèle Sauvain für mehrere Monate mit Katharina Heyer zusammen gearbeitet hat, kennt sie sie sehr gut und sie kommt zum Schluss, dass dieses Buch viel mehr als Katharinas Lebensgeschichte und ihr großes Engagement für die Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar ist. Es geht um den Sinn des Lebens. Als Konsequenz wird ‘Herzenssache’ in Buchläden und Bibliotheken oft auch unter der Kategorie ‘Religion, Philosophie und Spiritualität’ eingeordnet.

 

Herzenssache’ besteht aus drei Teilen, jeder Teil beleuchtet einen andern Abschnitt des Lebens von Katharina Heyer.

Teil eins beginnt im Dezember 1997, als Modedesignerin Katharina Heyer ihrem Alltag entfliehen wollte und  Freunde aus der Schweiz, die in Gaucín, in der Nähe von Tarifa wohnten, besuchte. Als sie zum ersten Mal mit einem kleinen Boot der „Scorpora“ eines Tauchers in Tarifa aufs Meer fuhr, sah sie Gewöhnliche Grindwale und Gestreifte Delfine.Direkt vor ihren Augen sprangen drei Delfine eine Herzformation. Genau das war es, was die sensible Katharina dazu brachte eine neue Aufgabe anzugehen. Innerhalb von wenigen Monaten schuf sie ihre eigene Stiftung firmm, und hat ein Team um sich herum versammelt um noch ein größeres Herausforderung anzupacken: die erste Wahlbeobachtungssaison in Tarifa. Während des ersten Trips mit 9 Passagieren auf der ‘Beluga’, dem ersten firmm Boot, wurden Delfine und viele Gewöhnliche Grindwale gesehen. In den darauf folgenden Jahren musste Katharina Heyer für ihre Vision kämpfen, aber dieser Teil des Buches endet positiv, denn firmm war endlich erfolgreich.

So viele Wale! (firmm’s very first boat trip) 

Katharina Heyers Erfolg war das Ergebnis von vielen Zufällen, aber natürlich hatte ihre Standhaftigkeit am meisten dazu beigetragen: S.63:

firmm’s head office in the old town of Tarifa

»Lange studierten wir an einem sinnigen Namen herum und einigten uns schließlich auf »Foundation for information and research on marine mammals«, Stiftung für Information und Forschung über Meeressäugetiere. Auch die Abkürzung klang gut: firmm. Das englische Wort »firm« bedeutet »felsenfest, entschlossen, verbindlich«. Das passte gut und war für mich wie ein Bekenntnis, dass ich es ernst meinte mit dem Schutz der Tiere.«

 

Teil Zwei handelt von der Zeit zwischen November 2001 und 2013. Das „Dolphin Sanctuary“ Projekt ‘Ras Laflouka’in Marokko, ein Heim für alte Delfine aus Delfinarien und verletzte Delfine, geplant von Katharina Heyer hat viel Zeit und Energie und Geld gekostet. Viele verschiedene Faktoren trugen dazu bei, dass das Projekt nicht zu Stande kam: gescheiterte Verhandlungen mit dem Themenpark ‘Conny-Land’, Korruption in Marokko, fortwährende Anpassungen der Pläne für die Gebäude, ändernde Regierungen,etc. ‘Ras Laflouka’ war nach 10 Jahren Kampf für das Projekt gestorben. Diese Tatsache zu akzeptieren was für Katharina Heyer schwer. Es macht den Anschein als ob dieser Teil des Buches zu einem traurigen Ende kommt.

Die langen und anstrengenden Bemühungen an zwei Fronten, in Tarifa und Tanger, forderten ihren Preis, sowohl physisch, sowie psychisch: Katharina erlitt einen Schlaganfall. Ihre beiden besorgten Söhne Andy und Sam rieten ihr es von da an etwas gelassener anzugehen. Im firmm Büro delegierte sie einige ihre Aufgaben an andere Teammitglieder. So kam Katharina Heyer ins reine mit sich selbst. So endet dieser Teil des Buches doch noch mit einer positiven Note.

Teil drei deckt die Jahre zwischen 2013 und 2016 ab und hat ein offenes Ende. Hier geht der positive Trend des Buches weiter. Zuerst werden weitere Gründe für das Scheitern von dem firmm Projekt in Marokko erläutert.

Aber trotz ihrer schlechten Erfahrungen in Marokko gab es eine Kraft die Katharina Heyer an Tarifa gebunden hat. Namentlich ihr Herz für die Tiere, mit welchen sie viele magische Momente verbanden. Jetzt hat sie auch noch einen neuen Teil hinzugefügt: ‘ihre kleine, große Familie’, das aktuelle firmm-Team.Diese beiden Eckpfeiler werden die Zukunft bestimmen. Zudem hält Katharinas Alter (74) sie nicht davon ab neue Projekte anzupacken, wie zum Beispiel den Kauf der Vision, eines neuen Boots mit Unterwasserfenstern für firmm.

Auf der firmm Vision gibt es genug Platz für 113 Touristen 

Katharina Heyer hat ihre Grenzen erforscht und ihren Horizont erweitert. Es gibt aber eine Konstanze die sich durch das ganze Buch wiederholt: S.243:

«Die meiste Zeit verbringe ich allerdings auf dem Meer, oben auf dem Flydeck eines unserer Schiffe, ganz nahe bei den Walen und Delfinen. Dort gehöre ich hin.»

Momente puren Glücks...

Katharina Heyer (links) auf Ausguck auf der flybridge der firmm Spirit 

  • Nebencharaktere

Katharina Heyer ist schon seit fast 20 Jahren in Tarifa aktiv und hat in der Zwischenzeit viele Menschen getroffen, die ihr entweder geholfen haben, oder sie aber sabotieren wollten. Manche Freundschaften waren nur vorübergehend, andere dauerhaft. Es war unmöglich für Michèle Sauvain jeden zu erwähnen und so musste sie sich auf einige beschränken.

Im ersten Teil sind vor allem Ara, David und Benny erwähnenswert.

Ara, Katharinas geistlicher Lehrer, riet ihr Tarifa zu besuchen, denn dort gab es Wale und Delfine. David war ein Professor für Meeresbiologie an der Uni Basel und er war Mitglied des Stiftungsrates von firmm. Benny, der ein Mitglied des Stiftungsrates ist, half Katharina die Statuten für ihre Stiftung zu erarbeiten.

Im zweiten Teil lernen wir Rachid, Ahmed Bounakoub, Mohamed El Yaakoubi und Hanae kennen.

Rachid, ursprünglich aus Marokko, war in Kontakt mit Regierungsbeamten und dadurch der perfekte Vermittler für Katharina und ihr Projekt in Tanger. Ahmed Bounakboub war eine kontroverse Figur in Marokko: er war im Gefängnis für Drogenschmuggel, aber sehr beliebt bei der lokalen Bevölkerung, denn er gab Geld an die Armen. Der korrupte Gouverneur Mohamed El Yaakoubi versprach Katharina einen neuen Standort für ‘Ras Laflouka’, näher an Tanger. Aber er hat sein Versprechen gebrochen: denn genau da, wurde ein neues Kongresszentrum gebaut.Hanae, Katharinas Architekt für die letzten Züge des Marokkoprojekts, wusste wahrscheinlich vom geplanten Kongresszentrum, hat Katharina aber nichts gesagt.

Im dritten Teil stellt Katharina ihr Team – Jörn, Nina & Oli und Eduardo- welches über die Jahre entstand ist, in den Mittelpunkt. Sie nennt sie ‘ihre kleine, große Familie’. Klein, so wie firmm selbst, mit wenigen Angestellten. Und groß, weil alle Teammitglieder ihr für so viele Jahre treu waren. Und inzwischen sind sie alle bereits so eingespielt, dass sie enorm wichtig für das Funktionieren der Stiftung sind: im Moment ist Katharina noch fit und gesund und sie werden kontinuierlich mehr als ihre rechte Hand. Aber Katharina steckt ihre Hoffnungen in ihr Team.

  • Katharina’s Persönlichkeit

Michèle Sauvain beschreibt den Charakter der Protagonistin meisterhaft. Schon nach nur einer kurzen Charakteranalyse wird klar, dass Katharina Heyer ein universeller Mensch ist, in dem wir auch uns selbst wiedererkennen können. Eine Frau, die wie wir alle gute und schlechte Eigenschaften besitzt.

Hauptsächlich im ersten (und längsten)Teil des Buches war sie hin und her gerissen zwischen Hoffnung, Optimismus, Selbstbewusstsein und Verzweifeln: sollte sie in Tarifa bleiben, oder zurück in die Schweiz gehen? In schwierigen, verwirrenden Zeiten und wenn sie harte Entscheidungen treffen musste, bat sie um Rat bei Ara, ihrer Familie (ihr Exmann Peter und ihren beiden Söhne Sam und Andy) oder Benny.Peter, ein Agronom und Andy, ein Fluglotse, sind Katharinas Gegensätze. Sie und Sam, ein Bankangestellter, er ist Mitglied des firmm Stiftungsrates, passen zusammen wie die Faust aufs Auge. Sie brachten sie immer wieder in die Balance. Katharina gab nie auf, denn sie ist eine wahre Kämpfernatur. Katharina erreichte den Höhepunkt der Verzweiflung, als sie alles verlor, (Kapitäne, Boote, Container, Daten und Fotos der Tiere) und wieder von vorne beginnen musste(S.115-131, das längste Kapitel des Buches).Aber genau zu dieser Zeit zeigte eine Gewöhnliche Grindwal Mutter ihr Neugeborenes Katharina. Sie brachten ihr bei wieder positiv zu denken und Katharina hielt durch. So findet Katharina oft Trost darin mit den Tieren zu sein, etwas später wird klar, wie sehr sie Gewöhnliche Grindwale liebt: S 136-137:

»Kurz darauf schwammen etwa dreißig Grindwale auf uns zu. Es waren mehrere Familien in Gruppen von drei bis fünf Walen. Plötzlich kamen drei Riesenmachos ganz nah ans Boot, legten ihre Köpfe aneinander und schauten mir lange in die Augen. Dieser Augenkontakt wirkt bei mir jedes Mal wie eine Seelenmassage.«

 

Ein spyhoppender Pilotwal beobachtet die Passagiere auf dem firmm-Boot 

Manchmal wenn Katharina Heyer von Trauer gepackt wird weint sie bittere Tränen, zum Beispiel im ersten Teil des Buches (S.98-102), als sie- nur 20 Jahre alt- ein Mädchen geboren hatte, Gabriela, die nur für sehr kurze Zeit lebte, wegen eines Herzfehlers.

Katharina Heyer eine Geschäftsfrau, ist sehr geschäftstüchtig, hat viele Ideen und ist eine gut organisierte Person, aber jeder hat Unzulänglichkeiten: Zu Beginn musste sie  jedes Jahr neue Leute suchen, und sie  fragte sich weshalb alle bei ihr nach ein bis zwei Jahren aufhörten zu arbeiten. Verlangte sie zu viel? War sie ein schlechter Chef? Zeigte sie nicht genug Dankbarkeit? (p.188)

Aber da ist noch mehr: Katharina Heyer ist eine intelligente und darüber hinaus eine gutherzige und bescheidene Person. Sie wollte die Tiere mit firmm schützen und ganz bestimmt keinen Profit machen durch Wahlbeobachtung (S.119). Katharina hatte nicht vor berühmt zu werden (oder ein Star). Nichtsdestotrotz, ist sie eine bekannte Persönlichkeit, denn sie hat etwas gemacht, wovon andere träumen, aber sich nicht getrauen es zu tun, nämlich aus seinen eigenen Grenzen ausbrechen. Seine eigene Komfortzone verlassen und sein Leben neu ausrichten. In ihrem Fall hat Katharina ihren lukrativen Job und ihre wunderbare Familie in der Schweiz zurückgelassen, für ein unbestimmtes Leben im Service für die Wale und die Delfine in Tarifa. Was noch eindrücklicher ist, dass sie das Ganze mit einer Schweizer Stiftung und als Frau gewagt hat, denn in Spanien sind die Frauen meist die, welche den Haushalt erledigen und die Kinder erziehen, in den meisten Fällen stellen Frauen dort keine Männer an, welche für sie dann aufs Meer hinausfahren (S.119). Und trotzdem Katharina nicht vollständig erfolgreich war mit ihren Plänen, hat sie doch etwas in uns aufgeweckt, das uns wachhält. Sie ist eine Trendsetterin für den zukünftigen Schutz der Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar. Zudem ist das herausgeben einer Biografie eine große Herausforderung und es braucht Mut, Details von seinem Privatleben so preiszugeben. All dies macht Katharina Heyer so speziell.

 

  • Stil

Im Jahr 2010 drehte Michèle Sauvain eine wunderbare Dokumentation über Katharina Heyer, mit dem TitelDie Walfrau von Gibraltarfür SRF (Schweizer Radio und Fernsehen). Sie meinte, dass Katharinas Geschichte eigentlich in einem Buch festgehalten werden müsste. Fünf Jahre später entstand ‘Herzenssache’. Mit ihrem Erzählstil, der Sensibilität einer Frau über fünfzig, mit drei Kindern und der Objektivität einer Journalistin gelingt es ihr das ‘Herz’ von allen Charakteren, ob jung oder alt, einzufangen.

Der größere Teil des Buches (bis S.238) wird von Michèle Sauvain erzählt. Es ist in der Vergangenheitsform geschrieben, in direkter Sprache und in der ersten Person Singular, mit Einblick in die Gedanken, Gefühle und Erfahrungen von Katharina Heyer und also in biografischer Form. Michèle Sauvain hat sich in die Position von Katharina versetzt, was es uns erlaubt tief in die Geschichte und die Sicht der Protagonistin einzutauchen: durch die Worte der Schriftstellerin können wir uns nicht nur vorstellen wie Katharina gehandelt hat, wir können aber auch sehen, hören und fühlen, wie sie sich innerlich gefühlt hat. Das Resultat: ‘Herzenssache’ wurde zu einem Meisterwerk seines Genres, ein Buch mit einem warmen ‘Herzen’!

Gegen Ende (von S.238) beginnt Katharina Heyer uns selbst über ihr Team und die firmm Vision, ihr neues Boot zu erzählen. Dies tut sie in der ersten Person Plural Form (wir = mein Team und ich), Gegenwartszeit und in direkter Sprache, also autobiografisch.

Katharinas (Auto)Biografie besteht aus drei Teilen, jeder Teil ist eine Anzahl aus mehreren relativ kurzen Kapiteln. Die Kapitel sind in einer chronologischen Ordnung ausgelegt, was es einfach macht dem Plot zu folgen.

Das Buch ist in einem klaren und verständlichen Deutsch geschrieben und ist manchmal mit typischen, üppigen schweizerdeutschen Wörtern Verwoben, zum Beispiel ‘Samichlausgeschenke’, was Katharinas Herkunft (Zürich) verrät. (S.191)

Eher trockene Tatsachen (wie Verhandlungen auf hoher Ebene) wechseln sich mit speziellen Aufeinandertreffen und emotionalen Momenten mit Tieren ab, was ‘Herzenssache’ so angenehm zu lesen macht. Im letzten Teil des Buches wird beschrieben wie auf einem einzigen Trip mit dem Boot 6 Arten von Walen und Delfine in der Straße von Gibraltar(3 Finnwale, ein Pottwal, viele Grindwale und 30 Große Tümmler) und auf einer andern 9 Pottwale (Unerwarteter Pottwalbesuch) gesichtet wurden. (Magische Momente: von S.232).

 

Gewöhnliche Delfine Eine grosse Schule von etwa 1,000 gestreiften Delfinen Ein tauchender Pottwal wird anhand seiner Schwanzfluke identifiziert Ein Finnwal ist trotz seiner bis zu 20 Meter Länge ein eleganter Schwimmer 

  • Auszug

Eine der bewegendsten Passagen des Buches, ist die tragische Geschichte von Curro, einem männlichen gewöhnlichen Grindwal, der sich zwei Mal Verletzungen zu gezogen hat – das erste Mal durch einen Schiffspropeller. Dieser Patenwal, war für firmm immer das  Sorgenkind der Straße von Gibraltar gewesen, aber es konnte ihm nicht geholfen werden. Nach einem jahrelangen und  mutigen Kampf gegen seine Verletzungen, während dem die andern Tiere seiner Schule im stets zur Seite gestanden sind, musste er sich schlussendlich geschlagen geben und seine Augen für immer schließen.

p. 218: »Als »Curro« mit seiner Grindwal-Familie kam, war ich beruhigt. Er und seine Partnerin »Fina« und ein jüngeres Männchen, das wir »Edu« getauft hatten, waren über die Jahre ebenfalls zu ständigen Begleitern geworden. Aber was war bloß mit Curro passiert? Ein tiefer Schnitt verlief quer über seinen Rücken, und es sah aus, als ob er gleich auseinanderfiele. Er musste in eine Schiffsschraube geraten sein. Eduardo, mein neuer Marinero, war dem Weinen nahe, als er das sah. Curro bewegte sich langsam und kraftlos. Die anderen eskortierten ihn. Es sah aus, wie wenn sie ihn beschützten. Auch mir brach es fast das Herz. Ich machte ein paar Fotos, die ich umgehend meiner Veterinärin mailte. Vielleicht wusste sie Rat. Aber es gab nichts, was wir tun konnten. Wenn das Rückenmark nicht verletzt sei, antwortete sie, würde die Wunde von innen heraus heilen.

p. 222-223: Erst gegen Ende Saison sah ich Curro wieder. Vor einem Jahr, bei einer der ersten Ausfahrten mit der »Spirit«, waren wir ihm zuletzt begegnet, und es schien ihm besser zu gehen. Seine Wunde sah damals zwar immer noch schrecklich aus, aber sie verheilte langsam. Die Rückenflosse war zur Seite gekippt und lag wie ein überflüssiges Stück Fleisch auf seinem Rücken. Er und seine Gefährtin Fina waren Eltern geworden und hatten mir ihr Junges gezeigt.

Jetzt mochte ich es kaum glauben: Curro hatte sich erneut verletzt. Diesmal sah es noch schlimmer aus als beim ersten Mal. Die Finne war nun fast vollständig abgetrennt. Die Wunde eiterte, und rundherum hatte sich ein weißer, entzündeter Abszess gebildet. Ich stand auf dem Boot und dachte gerade, dass man dem Tier die Geschwulst dringend wegoperieren sollte. In diesem Moment kam Edu und schlug sie ihm mit der Schwanzflosse einfach ab. Nun war die Wunde wenigstens sauber. Aber Curro machte mir Sorgen, sicher hatte er starke Schmerzen. Als ich ihm im nächsten Frühling wieder begegnete, war die Finne noch immer grässlich entzündet. Curro bewegte sich nur noch langsam und schien sehr müde zu sein. Er kam auch nicht mehr nahe ans Boot heran. Die anderen Tiere schwammen schützend um ihn herum.

p. 225: Am nächsten Tag suchte ich wieder einmal Trost auf dem Wasser bei meinen Tieren. Ich hielt Ausschau nach Curro, doch nur Fina und Edu tauchten am Boot auf. Wie gern hätte ich von ihnen erfahren, wie es Curro ging. Aber ich verstand ja nicht, was sie fiepten. Curro habe ich nie mehr wiedergesehen, er hat seine Verletzungen offenbar nicht überlebt. Im folgenden Jahr übernahm Edu die Führung  der Familie.«

 

Armer Curro 

 

Ein zeitloses Buch für Jedermann

Dies sind nur einige Impressionen des 256 Seitenlangen Buches ‘Herzenssache’, es gäbe noch viele mehr. Jeder der dieses Buch lesen wird, wird Katharina Heyer und ihre Stiftung firmm in einem neuen Licht sehen, selbst jene die meinen firmm schon sehr genau zu kennen.

‘Nur was der Mensch sieht und kennt, ist er bereit zu lieben und zu schützen’, ist das Motto von Prof. Dr. David Senn. Wenn wir die Worte ‘was’ und ‘schützen’ mit den Worten ‘wen’ und ‘unterstützen’ ersetzen, dann haben wir einen neuen aber ebenso korrekten Satz: dadurch, dass wir Katharinas Geschichte kennen bewundern wir und unterstützen wir sie umso mehr. Sie hat sich ihren Platz bei den weltweit größten Tierschützern verdient. Und obwohl eine (Auto)Biografie nur ein Schnappschuss ihrer (und firmms) Geschichte ist und die Geschichte wieder ganz anders sein wird in einigen Jahren, sollte ‘Herzenssache’ in keinem Bücherregal von Meeresfreunden fehlen.

Katharinas (Auto)Biografie kann HERE online bestellt werden. Und falls sie jemals das Glück haben Katharina Heyer persönlich zu treffen, wird sie ihnen mit Freuden ihren Wunsch erfüllen und ihr Buch mit einer kleinen persönlichen Mitteilung signieren.

Wir müssen unsere Ozeane für unsere Kinder schützen und retten, damit auch sie weiterhin freude an deren Schätzen haben. 

 

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