Hoffnung für Finnwale?
05.07.2009 20:10 von Mario Müller
Text: Jörn Selling, Meeresbiologe
Fotos: firmm
Auf der Rückfahrt von einer tollen Ausfahrt mit vielen Delfin- und Grindwalsichtungen entdeckten wir am Sonntag gegen Abend einen kleinen Blas nahe bei der Isla de las Palomas vor Tarifa. Wir beeilten uns, in die Nähe zu gelangen und sahen zu unserer Überraschung zwei Finnwale auftauchen, eine Mutter mit Kalb!
Das Kalb hielt sich dicht am mächtigen Leib der Mutter. Gemeinsam verschwanden ihre langen Körper für ein paar Minuten, um gleichzeitig wieder aufzutauchen.

Kalb und Mutter Kopf an Kopf

Der kleine Blas stammt vom Kalb, das sich hier hinter der Mutter befindet.

Dies ist die erste Sichtung eines Finnwalkalbs seit 1998 und hoffentlich ein Zeichen eines Neuanfangs. Zwischen 1920 und 1960 wurden um die 5000 Pott- und Finnwale von zwei Walfangstationen in der Straße von Gibraltar getötet. Falls es eine lokale Finnwalpopulation gegeben haben sollte, wurde sie quasi ausgelöscht. Gleichzeitig ging das kulturelle Wissen um die Wanderroute der Mittelmeerfinnwale verloren, da selektiv diejenigen getötet wurden, die jeden Sommer das Mittelmeer Richtung Nordspanien und Atlantik verließen.
Die Sichtung eines Kalbes könnte bedeuten, dass die wenigen “Wisser”, die überlebt haben, nun ihre Kenntnisse an eine neue Generation weitergeben. Ein hoffnungsvoller Gedanke!


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