Curro kämpft immer noch
Donnerstag, 25. Juni 2009
Text: Jörn Selling, Meeresbiologe bei firmm
Fotos: Philipp Verborgh und firmm
Kurz vor Saisonbeginn haben Sebastián, Diego, Eduardo und ich in Barbate die Schiffe abgeholt, um damit nach Tarifa zu fahren. Als alles vorbereitet war, haben wir noch im Jachthafen bei einem Bierchen angestoßen, unter anderem darauf, in dieser Saison keine verletzten Wale sehen zu müssen. Das hatten wir im vergangenen Sommer viel zu häufig gehabt, und ich wünschte mir, so etwas nicht wieder erleben zu müssen.
Bis jetzt haben wir wie gewünscht keine schlimmen Neuigkeiten entdeckt, toi, toi. Auf der ersten Fahrt trafen wir allerdings Curro an, das arme Pilotwalmännchen, das letzte Saison fast zweigeteilt worden war. Wir haben uns sehr darüber gefreut, wie gut es ihm trotz allem ging. Das war am 6. April.

Aber am 17. April traute ich meinen Augen nicht, als in 100 m Entfernung ein Pilotwal mit einer Schnittwunde an derselben Stelle wie bei Curro auftauchte, bei dem aber die Rückenfinne nach links umgefallen war. Zuerst dachten wir, es würde sich um ein neu verletztes Tier handeln, weil die Finne viel kleiner aussah. Wir haben den Grindwal bis zum 18. Mai noch 7 Mal gesichtet, seit dem ist er erstmal verschollen. Wenigstens haben die Sichtungen gereicht, um uns vom Schreck zu erholen, da wir festgestellt haben, dass es sich um Curro handeln muss. Der Arme kämpft immer noch mit seiner Wunde, die bald ein Jahr alt sein wird.


Nach wie vor rätseln wir, bei welcher Gelegenheit ihm diese Wunde zugefügt wurde. Befand er sich unter der stehenden Schraube eines Schiffes und wurde von dieser erfasst, als das Schiff wieder startete? Beweisen lässt sich nichts, aber genau so wenig auch ausschließen, dass es gar eines der Whalewatch-Schiffe war, da die Gesetze nach wie vor immer mal wieder missachtet werden. Wie auch immer, ich wünsche mir, es gibt keine neu angeschnittenen Tiere … die Hoffnung stirbt zuletzt.


































