Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar

foundation for information and research on marine mammals

esenfr

Sterbebegleitung für einen Pottwal

Grindwale beschützen einen verletzten Pottwal in seinem Todeskampf

04.09.2002Pottwal

Unser firmm-Forschungsboot, das in der Straße von Gibraltar von Tarifa aus seine Wal- und Delfin-Beobachtungsfahrten macht, entdeckt einen ruhenden Pottwal (Physeter macrocephalus). Es ist ein ausgewachsener Wal mit einer Körperlänge von gut achtzehn Metern. Seit Mitte Juli sind keine Pottwale mehr gesichtet worden. Unsere Freude über die erneute Anwesenheit eines Pottwals ist groß.

05.09.2002, vormittags

toter PottwalDie erste Morgenfahrt mit Gästen. Die praktisch immer präsenten Grindwale (Globicephalas melas) werden nicht gesichtet. Normalerweise bewegen sich die Grindwale um diese Tageszeit je nach Ebbe und Flut Richtung Atlantik hinaus. Das ist seltsam. Dann bekommen wir über Funk die Meldung, dass eine der Fähren, die zwischen Spanien und Marokko pendeln, einen Pottwal verletzt hat. Wir brechen die Suche nach den Grindwalen ab und begeben uns sofort in die angegebene Richtung. An der genannten Stelle sehen wir schon von weitem eine Ansammlung von Grindwalen. In ihrer Mitte liegt der verwundete Pottwal auf der Seite und blutet stark. Alle an diesem Morgen in der Straße von Gibraltar anwesenden Grindwale sind um den sterbenden Pottwal herum versammelt. Sie sind unruhig, piepsen lautstark und schwimmen aufgeregt umher. Sie tauchen ihre Köpfe aus dem Wasser (Spyhopping), schlagen mit den Schwanzflossen (Tailflapping) und drehen sich. Mit ihren schwarzen Körpern bilden sie einen schützenden Kreis um den schwer verletzten Pottwal. Entgegen ihren Gewohnheiten, die wir seit fünf Jahren erforschen, ist Familie um Familie an diesen Ort geschwommen, um den Pottwal zu begleiten. Es berührt uns sehr, dass alle im Umkreis von einigen Kilometern anwesenden Grindwale sich in kurzer Zeit beim verletzten Pottwal eingefunden haben.

05.09.2002, mittags

Der Pottwal ist verblutet und gestorben. Ein Rettungsboot der Küstenwache zieht seinen bereits stark gegen das Mittelmeer abgedrifteten leblosen Körper Richtung offenes Mittelmeer. Dort wird er den Strömungen und Wellen überlassen.

Gabriela Frischknecht