Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar

foundation for information and research on marine mammals

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Archiv für 6. Juni 2008

Der Wal am Boot …

6. Juni 2008

Katharina Heyer / firmm

Nach der traurigen Meldung von Curro’s Verletzung nun noch eine interessante Beobachtung:
Ein paar Stunden später kam einer der größten Grindwale die wir hier haben mit seiner Familie - 2 halbwüchsigen Jungen und 2 Weibchen - zum Boot geschwommen. Die Kleinen vergnügten sich vorne am Bug währenddem der Macho unters Boot tauchte und sich vermutlich kratzte. Er drehte sich, wälzte sich, kam mehrmals wieder, legte sich auch seitlich ans Boot, so nah, dass man ihn leicht hätte berühren können. Beim Wälzen klatschte er mit der Fluke aufs Wasser, was gewaltig spritzte. Es war ein eigenartiges Schauspiel, sehr wuchtig und kraftvoll, denn einen ca. 8 Meter langen Grindwal entlang dem 10 Meter langen Boot zu haben ist schon sehr eindrucksvoll! Sogar Sebastian (Kapitän) und Diego (Marinero) kamen neugierig aus ihrer Kabine heraus und bestaunten den riesigen Wal. So etwas sehen auch sie nicht jeden Tag obwohl sie täglich viele Stunden bei den Walen draußen sind. Wir alle waren tief beeindruckt von dieser einmaligen Begegnung.

GW All Boot

Curro, ein frisch verletzter Grindwal!

6. Juni 2008

Jörn Selling / firmm

Am 23.05 haben wir eine traurige Entdeckung gemacht. Wir sichteten ein großes Grindwalmännchen mit einem 10 - 15 cm tiefen Schnitt quer über den Rücken vor der Rückenfinne. Der Schnitt muss bis kurz vor die Wirbelsäule gehen, die äußeren Ränder (Haut und Fettschicht) waren noch blutig rot. Das Muskelgewebe war von Kollagenfasern bedeckt, erste Phase des Heilungsprozesses. Ich konnte vom Dach des Schiffes tief in die Wunde blicken wo sie auch blutig rot war. Der Unfall muss also zwischen dem 18. und 21. Mai passiert sein. Ob das Tier es allerdings überlebt ist fraglich. Ich hoffe es sehr, damit er vor allen Dingen für die Whalewatcher als Mahnmal dient.

Curro all

Ich hebe die Whalewatcher hervor weil es meiner Meinung nach die Schuldigen sein könnten. Die Schnittwunde kann nur von einem Propeller stammen und wegen ihrer Größe, wahrscheinlich von einem größeren Schiff. Außerdem muss das Tier sich unter einem Schiff mit stehender Schraube aufgehalten haben und wurde von dieser erfasst, als es plötzlich los fuhr.

Die Sportfischer die auf der Jagd nach Thunfischen quer durch die Wale fahren kann man ausschließen, weil sie erst im Juli kommen. Außerdem stoppen sie nicht, sondern ziehen die Leinen mit Angelhaken hinter sich her.
Man kann zu dieser Jahreszeit sagen, dass praktisch nur Whalewatcher und die üblichen Frachter und Schnellfähren da sind, keine Fischer und Sportboote weit und breit. Es sind auch die Whalewatcher, die sich am häufigsten mit stehendem Propeller bei den Walen aufhalten. Man kann es also zumindest nicht ausschließen. Ganz davon zu schweigen wie oft ich schon beobachtet habe, dass Whalewatcher einfach losfahren wenn sie einen Pottwal sichten, ohne auf Tiere zu achten die unter der Schraube sein könnten. Dies geschieht vor allen Dingen bei den größeren Schiffen, von deren Kommandobrücke aus nichts zu sehen ist.
Wir haben “Curro” (so nennen wir ihn) noch am 24.05 gesehen und seit dem nicht mehr…