Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar

foundation for information and research on marine mammals

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Archiv für Mai 2008

11:00 Uhr Fahrt vom 14.05.08

25. Mai 2008

Text: Jörn / firmm

Wir fuhren Richtung Tanger und bevor wir dort angekommen waren, wo wir normalerweise die Pilotwale und Tümmler finden, sah ich aus den Augenwinkeln den Blas eines Pottwals aufsteigen. Er lag eine halbe Meile von uns entfernt im Wasser und tauchte nach kurzer Zeit ab. Ich dachte noch wie schade es war, ihn nicht früher entdeckt zu haben, um ihn länger beobachten zu können, da wir schon fast eine Woche keinen mehr gesichtet hatten. Wir fuhren weiter und entdeckten 3 Pilotwale. Es war weit und breit nichts weiter zu sehen, was sich aber als gut erweisen sollte.
Es tauchten nämlich anschließend noch weitere 9 Pottwale auf. Es sah aus wie Springbrunnen die immer wieder in der Nähe oder etwas weiter weg ansprangen. Wir mussten also immer wieder zum nächsten fahren, je nach Entfernung auch mal schneller. Deshalb waren wir froh keine anderen Tiere in der Nähe zu haben. Es ist sehr schade, eine Gruppe spielerischer Tümmler vor unserem Bug zu verlassen. Manchmal ist es nicht einmal möglich, spontan los zu fahren, weil so viele Tiere um das Schiff schwimmen. Es sei denn, man hat keine Skrupel und braust einfach los.
Unter den Pottwalen war auch ein Jungtier. Ich glaube nicht, dass es 10 unterschiedliche Tiere waren. Es sah eher so aus, als wenn einige zwei Mal aufgetaucht wären. Es werden wohl zwischen 5 und 8 Tiere gewesen sein. Letztes Jahr haben wir am 19. Juni auf einer Fahrt eine ähnliche Ausfahrt mit 8 gesichteten Pottwalen gehabt. Somit haben wir einen neuen Rekord!
Auf der nächsten Fahrt haben wir nur noch einen gesichtet und seit dem ist der “Spuk” vorbei.
all zusamm Pottwale

Manöver des spanischen Militärs in der Strasse von Gibraltar

8. Mai 2008

Bericht: Katharina Heyer

Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich es nicht für möglich halten…..Als ich heute zwischen 10.00 h und 10.30 h zum Schloss hoch ging, hatte ich meinen Feldstecher dabei (leider nicht die Kamera), um die Wellen nach dem heftigen Levante abzuchecken, denn um 12.00 h sollte die erste Bootsfahrt nach 4 Tagen Wind stattfinden. Kaum an meinem Aussichtspunkt angelangt, erdröhnte eine laute Detonation, die mich total erschreckte. Eine alte Frau neben mir schrie auf: “”los moros”, die Marokkaner schiessen!” Das konnte ich fast nicht glauben, denn der Knall kam von der spanischen Felsküste. Und schon wieder eine Explosion, diesmal hatte ich genau gesehen, woher die Geschosse kamen und gleichzeitig sah ich draussen in der Strasse von Gibraltar 3 riesige Einschläge, d. h. Fontänen von gewaltiger Höhe. Mit meinem Feldstecher konnte ich sie gut sehen. Im Vordergrund, unweit von der Schusslinie, fuhr ein Fischerboot Richtung Hafen von Tarifa. Ansonsten waren keine Schiffe zu sehen. Und kurz darauf folgten ein 3. und dann ein 4. ohrenbetäubender Knall. Die Aufschläge wurden immer mehr, zum Schluss waren es jeweils 5 Riesenfontänen, alle in Richtung des neuen marokkanischen Hafens “Tanger MED”, ungefähr in der Mitte der Strasse von Gibraltar. Hier ist die Meerenge nur 14 km breit und unweit von den Einschlägen hatten wir in den letzten Tagen die 3 Pottwale gesehen. Auch die Grindwalschulen mit ihren vielen Jungen sind nur 2-3 km von den Einschlägen anzutreffen. Die Konzentration der Meeressäuger, die hier leben, befindet sich im Umkreis von 3-4 km. Mir wurde übel bei dem Gedanken, wie die Tiere dort draussen wohl erschreckt sind, wenn am Land der Knall schon so ohrenbetäubend war. Das ganze Küstengebiet ist zudem seit einiger Zeit zum Naturschutzgebiet erklärt worden, worüber wir uns sehr gefreut hatten.
Wie können die Militärs ausgerechnet hier ihre Manöver loslassen, wo jedermann heutzutage weiss, dass da draussen eine hohe Konzentration von Cetaceen lebt? Es ist unfassbar, wie rücksichtslos das Militär sein kann!

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Bild: Aurelio Morales

Estrecho Geschosse

Bild: Fotomontage

1. Mai 2008 Einzigartige Begegnungen!

3. Mai 2008

Text: Katharina H. / firmm

Der Tag zwischen den beiden bekannten Winden, nämlich Poniente (Westwind) und Levante (Ostwind), bescherte uns traumhaftes Wetter mit idealen Meerbedingungen.
Und so hatten wir denn auch geniale Sichtungen:
Es begann mit einer Familie Grindwale, die mit 4 Jungen ans Boot kam und uns regelrecht unterhielten mit ihren Spielen.

GW boot

GW boot 2

Es war, als wollten auch sie uns mal zeigen, was sonst die Großen Tümmler tun, nämlich am Boot sich - und uns - zu vergnügen. Sie guckten hoch, sie versuchten mit ihren Schwanzflossen die Leute nass zu spritzen und verweilten lange Zeit unter dem Boot. Sie waren herzig und sogar die Mütter kamen und zeigten ihnen, wie ein richtiges Spyhopping geht….Es war faszinierend, das Treiben direkt am Boot zu beobachten.

GW mama baby

Ein Pottwal, der nur 100 Meter vom Boot entfernt auftauchte, lenkte uns dann ab. Er kam bei jedem Blas ungewöhnlich hoch mit dem Kopf aus dem Wasser und ich entdeckte etwas, das wie ein dicker Bauch aussah. Ein Wölbung seitlich am Bauch…..

Pottwa Bauchl

 

Kurz danach tauchte ein 2. Pottwal auf, nur 50 Meter vom ersten, der inzwischen abgetaucht war. Es war Quasimodo, den man an einer Art Kragen oder Manschette erkennt. Ein großer, kräftiger Pottwal.

Auch die Großen Tümmler ließen nicht lange auf sich warten, unter ihnen wieder Lolly mit Partner und untrennbar an ihrer Seite ihr Kalb. Sie schwammen zu Dritt vorne am Bug und begleiteten uns dann lange noch neben dem Boot. Das Wasser war kristallklar und so konnten wir sie herrlich auch unter Wasser beobachten.
Lolly baby

05.01

 

Eine immer wieder erfreuliche Begegnung ist die mit der Grindwalfamilie von ZackZack, auch sie stets begleitet von ihrem neugeborenen Jungen.
Zackzack sahen wir zum ersten Mal in 2006, dann über den ganzen Sommer 2007 und nun seit April 2008 zum ersten Mal mit Nachwuchs.
Das Junge ist noch sehr klein, hat noch die Streifen der
Gebärmutterkontraktionen und weicht nicht von ZackZack’s Seite.
Zackzack bekam ihren Namen von Jörn, als wir parallel die Grindwalmutter mit dem Namen ZickZack in der Strasse von Gibraltar hatten. Sie sahen sich zum Verwechseln ähnlich.

Zack Zack baby

Zack Zack baby 2

Leider haben wir seit Ende 2006 Zickzack nie mehr gesichtet, nachdem wir sie ununterbrochen seit 2002 regelmässig gesehen hatten.

Zick Zack Zack Zack

 

In dieser Grindwalfamilie schwammen auch Große Tümmler, die mit hohen Sprüngen für Aufmerksamkeit sorgten.

Spring Del

Nach solch fantastischen Sichtungen gingen Gross und Klein freudig erregt, rundum zufrieden ans Land. Was beim Einsteigen ins Boot jeweils diverse individuelle Familien oder Grüppchen sind, die Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch sprechen, steigt als eine große, glückliche Familie aus! Die gemeinsam erlebten Begegnungen mit den Walen und Delfinen hat sie verbunden! Das zu beobachten erfüllt mich immer wieder mit Freude und Dankbarkeit.

22. April 2008 / Solitonwellen in der Straße von Gibraltar

1. Mai 2008

Text: Elisabeth Kubin, Volontärin bei firmm

Bei der heutigen 17 Uhr Ausfahrt mit dem firmm Boot konnten wir die bekannten ‚Vaciante’ Wellen selbst erleben.
Auf der Ausfahrt begleitete uns heute auch der MDR, der für sein Reisemagazin mit ‚Ilse Bähnert’ Aufnahmen von den Walen und Delfinen hier in der Straße von Gibraltar machte.

Die Vaciante verursacht Wellen die in der Physik unter dem Namen Solitonwellen bekannt sind. Sie kommen in Festkörpern vor, aber auch in Flüssen, Seen, Meeren und sehr selten in der Atmosphäre (z.B.: die Morning Glory in Australien, siehe Foto).

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Abb.: Morning Glory in Australien. Auch diese Welle ist eine Solitonwelle.
[Quelle: strangequarks.ca]

Solitonen sind wandernde Wellen, die einmal ausgelöst, konstant, mit gleicher Wellenhöhe und gleichem Wellenabstand weiterwandern. Wellen also, die lange Wege zurücklegen, ohne ihre Eigenschaften zu verändern

Entdeckt wurden diese Wellen von John Scott Russell in einem Fluss. Er konnte beobachten wie ein Wellenpaket (mehrere Wellen) welches von einem plötzlich stehen gebliebenem Schiff ausging, sich nicht verlief und zum erliegen kam, sondern ohne Höhe, Gestalt und Abstand zu ändern flussaufwärts lief. Mit dem Pferd folgte er den Wellen. Seit diesem Erlebnis war sein Interesse geweckt und er forschte an diesen Wellen, welche er ‚Translationswellen’ nannte.

Es gibt verschiedene Arten wie diese Wellen hervorgerufen werden können. Hier in der Straße von Gibraltar passiert dies hauptsächlich durch den Wechsel von Flut zu Ebbe (deswegen auch der Name). Ausgelöst werden die Wellen durch eine erhöhte Schwelle auf der atlantischen Seite der Straße von Gibraltar und durch die Enge der Straße. Die seichteste Stelle befindet sich auf der atlantischen und marokkanischen Seite und trägt den Namen Camarinal Sill. Hier ist es nur 290 m tief.

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Abb.: Topographische Karte der Strasse von Gibraltar, die seichteste Stelle CAMARINAL SILL ist eingezeichnet.
[Quelle: www.ifm.uni-hamburg.de]

Der zweite Grund, warum solch ein Wellenpaket gebildet wird, liegt daran, dass es in der Straße von Gibraltar zwei Hauptströmungen gibt: Eine salzhaltige in großer Tiefe, die vom Mittelmeer in den Atlantik führt und eine weniger salzhaltige Strömung in den oberen 100-200 Metern, die vom Atlantik in das Mittelmeer führt. Daraus resultiert eine Halokline, eine Salzsprungschicht (Dichtesprungschicht), die die salzhaltigere Schicht von der weniger salzhaltigen trennt. Die Tiefe der Halokline ist abhängig vom Untergrund, den Strömungen und den Gezeiten.

Bei Gezeitenwechsel erfolgt eine Depression dieser Dichtesprungschicht. Diese ist besonders an den niedrigen Schwellen am Beginn der Strasse von Gibraltar sehr groß. Nach dem Umschlagen der Gezeitenströmung löst sich von der Schwelle eine interne Flutwelle in circa hundert Meter Tiefe. Aus dieser entsteht ein Wellenpaket von internen Solitonwellen, die weit ins Mittelmeer wandern.

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Abb.: Bearbeitetes Satellitenbild von der Straße von Gibraltar. Flutwelle wird am Camarinal Sill ausgelöst, aus der Flutwelle entstehen Solitonwellen, die weit ins Mittelmeer wandern.
[Quelle des unbearbeiteten Bildes: earthobservatory.nasa.gov]

Diese Wellen kann man an der Oberfläche als relativ hohen Seegang erkennen. Auch vom All können die Wellen erkannt werden, da sich in ihnen biologische Filme konzentrieren.

Da ich mich sehr für Wellen interessiere, war es für mich sehr schön und spannend, diese Solitonwellen selbst zu erleben.