Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar

foundation for information and research on marine mammals

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Archiv für 6. September 2007

Eindrücke eines Kursteilnehmers (Teil 1)

6. September 2007

Levante, der stürmische Ostwind, lässt nicht zu, den Hafen von Tarifa zu verlassen. So wird entschieden, in der geschützten Bucht von Algeciras eine Beobachtungsfahrt zu machen. Die Gruppe wird auf verschiedene Autos aufgeteilt und ich habe das besondere Vergnügen, mit dem Biologen Jörn die kurvenreiche Strecke nach Algeciras erleben zu dürfen. Jörn lässt keine Möglichkeit aus, andere Verkehrsteilnehmer, bzw. eher Kontrahenten zu kommentieren und legt die Strecke sicherlich in Rekordzeit zurück. Meine Hand am Haltegriff über der Beifahrertür entspannt sich erst am Hafen.

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Foto oben: Jörn auf dem Boot (ganz entspannt) (Foto: Frank Haasenritter)

Wir warten kurz auf das Boot, welches noch betankt werden muss und machen uns dann unverzüglich auf, die Bucht von Algeciras, bzw. Gibraltar zu erkunden. Zunächst zeigt sich nichts auf der Meeresoberfläche, was jedoch nicht weiter stört, da man sich gerne von den Eindrücken des Felsens von Gibraltar ablenken lässt. Außerhalb der Bucht sichten wir dann die ersten Delfine. Der Motor brodelt leise im Leerlauf und wir sind begeistert von den ersten Delfinen (Common Dolphins), die immer wieder schnell am Boot entlang ziehen und uns für einige Minuten einen Vorgeschmack auf das geben, was uns für die nächsten Tage in unglaublicher Vielfalt noch bevorstehen soll.

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Foto oben: Gewöhnliche Delfine (Delphinus delphis) in der Bucht von Gibraltar (Foto: Frank Haasenritter)

Nachdem die Delfine verschwunden sind, wird Kurs zurück in die Bucht genommen, doch schon bald schreit der Kapitän laut auf und zeigt an einem großen Containerschiff vorbei auf eine Stelle, wo ein Pottwal lang gestreckt an der Oberfläche ruht. Es ist nicht nötig den Kurs zu ändern, da der Wal in guter Sichtweite ist. Zur gleichen Zeit erscheint ein Boot der örtlichen Hafenpolizei und versucht offensichtlich den Wal zu stören und ihn damit aus der Bucht zu vertreiben. Der Wal reagiert unverzüglich, bereit zum abtauchen krümmt er seinen Körper und die Fluke erhebt sich steil aus dem Wasser und er verschwindet in der Tiefe. Jörn ist über das Verhalten des Polizeibootes außer sich vor Wut. Seine Äußerungen hier zu zitieren, würde dieser Website sicherlich den Status einer nicht jugendfreien Website einbringen.

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Fotos oben: Der Pottwal wird vom heranrasenden Polizeiboot zum Abtauchen genötigt. (Fotos: Frank Haasenritter)

Die Sichtung des Wals wird registriert und wir nehmen wieder Kurs zurück in Richtung Hafen. Von dort kommen uns andere Walsichtungsboote entgegen und wir sehen, dass sie eine Gruppe von gestreiften Delfinen aufgespürt haben. Verwundert sehe ich, dass ein größeres Boot mit hoher Geschwindigkeit auf die Gruppe der Delfine zufährt und sie durchkreuzt. Die Delfine nutzen die Heckwelle zum surfen und verweilen anschließend einige Zeit in der Nähe unseres Bootes.

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Foto oben: Springender Blau-Weißer Delfin (Stenella coeruleoalba) vor den massiven Hafenbauten in Algeciras (Foto: Frank Haasenritter)

Ein schöner Abschluss der ersten Tour, nicht ganz … die Rückfahrt nach Tarifa mit Jörn wird nicht weniger aufregend als die Hinfahrt.

-Frank Haasenritter-

Eindrücke eines Kursteilnehmers (Teil 2)

6. September 2007

Orca-Sichtungen gehören sicherlich zu den Highlights einer Beobachtungsfahrt. Die Chance sie zu beobachten stehen gut für uns, da andere Boote sie schon vorher gesichtet hatten.
Wir nehmen Kurs in die Richtung, wo marokkanische Fischer ihre Fangleinen für den großen “Blue Fin”-Thunfisch ausgebracht haben. Auf dem Weg dorthin treffen wir zunächst auf eine große Gruppe von gewöhnlichen Delfinen. Sie sind verspielt und kommen nahe ans Boot. Wir setzen nach kurzem Aufenthalt unsere Fahrt fort. Am Ziel angekommen, finden wir einige Dutzend kleiner, mit schwachen Außenbordmotoren ausgestatteter, hölzerner Fischerboote vor.

Die Kulisse für eine solche Ausfahrt könnte nicht schöner sein. Ausläufer des marokkanischen Atlasgebirges führen hier bis zum Meer und beeindrucken mit einer gewaltigen Steilküste.

Die Leine in der mit einem Handschuh geschützten Hand haltend, möchte man zuerst kaum glauben, dass die Fischer mit ihrer Fangmethode und körperlicher Kraft von meist 3 Männern, einen großen Thunfisch, mit einem durchschnittlichen Gewicht von 300kg und einer nicht zu unterschätzenden Kampfkraft, bewältigen können. Unweigerlich drängen sich Erinnerungen an Szenen von “Der alte Mann und das Meer” auf. Ein Fischerboot macht uns darauf aufmerksam, nicht zu nahe kommen, da der Drill mit einem Thunfisch begonnen hat und sie den Fisch möglichst schnell an Bord zu bekommen haben. Eile ist geboten, da eine Familie von Orcas den an der Leine kämpfenden Thunfisch schon aufgespürt hat. Ständig tauchen die Schwertwale ab, um sich den dargebotenen “Snack” einzuverleiben.

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Foto oben: Die Orcas wittern fette Beute und pirschen sich an das kleine Fischerboot an. (Foto: Frank Haasenritter)

Die Verzweiflung der Fischer ist nicht zu übersehen und nachlassende Kraft und Gewicht des Thunfischs lassen erahnen, dass der Fang, mit einem Marktwert von etwa 1500€, verloren zu sein scheint.
Endlich erscheint der gewaltige Kopf des Thunfischs an der Oberfläche. Traurige Gewissheit des Verlusts zeigt sich, als der vollkommen zerfetzte Körper die Bordwand hochgezogen wird und nur noch letzte Reste des rötlichen, schmackhaften Fleisches zu sehen sind. Unweigerlich muss man bei dieser Szenerie erneut an den “alten Mann und das Meer” denken. Wild gestikulierend und fluchend lassen die Fischer ihrer Verzweiflung freien Lauf. Die Orcas ziehen weiter.

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Fotos oben: Vom grossen Fang bleibt für diese marokkanischen Fischer kaum etwas übrig. Auch wenn der Kopf des Thunfisches noch einiges an verwertbarem Fleisch enthält, ist der Frust über den Verlust berechtigt und verständlich. (Fotos: Frank Haasenritter)

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Foto oben: Des einen Freud, des andern Leid. Während die Gäste von firmm® sich an den anmutigen Orcas erfreuen, ärgern sich die Fischer über den entgangenen Fang (Foto: Frank Haasenritter)

Für uns ist es Zeit Richtung Tarifa abzudrehen. Kaum ist der Kurs eingeschlagen, treffen wir auf eine Gruppe von Grindwalen. Es wundert mich, dass sie sich nur unweit von der Orca-Familie entfernt aufhalten. In Tarifa angekommen werden die Beobachtungen noch einmal besprochen und es ist offensichtlich, dass man von dieser Fahrt viele Eindrücke mitnehmen wird.

-Frank Haasenritter-