Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar

foundation for information and research on marine mammals

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Archiv für Oktober 2006

Das Herbstwetter in Tarifa lässt immer weniger Ausfahrten zu

23. Oktober 2006

22.10.06 10.00h - 12.00h

Nach mehreren Regentagen ging es endlich wieder zu den Walen. Heute waren die Grindwale zum Spielen aufgelegt. Sie näherten sich dem Boot und schwammen vor dem Bug mit. Ausserdem sprang ein noch jugendlicher Grindwal mehrmals, ähnlich wie sonst die Tümmler, durch die Luft. Dies im Gegenlicht vor der Kullisse des Berges Musa auf der marokkanischen Seite.
Wieder andere schwammen auf dem Rücken und schlugen mit ihren Brustflossen auf die Wasseroberfläche.

-KH-

22..10

 

22..10

 

01.10

(Fotos: K. Heyer)

Die Pottwale sind wieder aufgetaucht!

6. Oktober 2006

Auf der ersten Ausfahrt am Mittwoch Morgen (09:00-11:00) fiel uns von Weitem etwas Merkwürdiges auf. Gegen das Licht sah es aus, als ob in der Ferne ein kleines, weisses Boot in hohen Wellen immer wieder auf- und absteigt. Erst als wir den dritten Blas sahen, waren wir uns sicher. Ein Pottwal war aufgetaucht! Sofort machten wir uns auf den Weg um das Tier, welches völlig unerwartet und zu einer aussergewöhnlichen Jahreszeit hier aufgetaucht war, aus der Nähe zu betrachten. Tatsächlich scheint es so, als ob die Pottwale nach wochenlanger Abwesenheit wieder vereinzelt in der Strasse von Gibraltar anzutreffen sind, denn auch am 05.10 konnten wir drei Tiere, aussergewöhnlich nahe an der spanischen Küste, beobachten.

-KH-

04.10

 

04.10

ORCAS!

6. Oktober 2006

Der, mit 32 Teilnehmern, grösste Kurs dieser Saison hatte einen sehr ungewöhnlichen Auftakt zu verzeichnen. Auf der ersten Ausfahrt am Montag (02.10. 10-12 Uhr) konnten die Kursteilnehmer neben drei verschiedenen kleineren Delfinarten (Gewöhnliche Delfine, Gestreifte Delfine und Tümmler) auch den grösste Vertreter dieser Familie beobachten, den Orca! Die Orcas werden nur selten zu dieser Jahreszeit in der Strassse von Gibraltar angetroffen, halten sie sich doch in erster Linie im Juli und August hier auf.

-casi-

02.10

02.10

Autopsie des toten Delfines.

2. Oktober 2006

Die Organisation NERITA ( Asociacion Gaditana de Ciencias Marinas del Estrecho) und der zuständige Tierarzt Dr. Pierre Galego holten den toten Delfin am Hafen von Tarifa zur weiteren Untersuchung ab. Wir luden den Delfin auf einen Pick-up und brachten ihn zur neben dem Hafen gelegenen Militärinsel, um ihn dort zu untersuchen, zu sezieren, und somit die Ursache des Todes festzustellen. An der Insel angekommen mussten wir zuerst einmal einen Tisch organisieren, um den Delfin richtig lagern zu können, und ihn somit bequem untersuchen zu können.
Bevor wir anfingen, nach der Todesursache zu fahnden, mussten wir den Delfin vermessen und alle äusserlichen Merkmale festhalten, wie eventuelle Narben, Parasiten, Wunden etc. Der Delfin hatte eine Grösse von 1,79 m und dem Gebiss und seiner Statur nach zu urteilen, handelte es sich um ein männliches Jungtier. Der Delfin wies eine 8 cm tiefe und 14 cm breite quer verlaufende klaffende Wunde vor der Rückenflosse auf. Des weiteren befand sich eine kleinere etwa 3 cm tiefe und 6 cm breite Wunde am Ansatz der Fluke (Schwanzflosse). Wir fanden keine Anzeichen auf etwaige Parasiten, aber über den Körper verteilt zeigten sich mehrere kleine Narben, die vermutlich bei Kämpfen zwischen Artgenossen entstanden sind.
Nach der Aufnahme aller äusserlich sichtbaren Merkmale, begannen wir mit dem Öffnen der Bauchhöhle, um die inneren Organe zu untersuchen und festzustellen, ob das Tier an einer Krankheit litt, an der es verstorben ist, oder an seinen Verletzungen erlag. Die Mägen des Delfins (ein Delfin besitzt drei Mägen), die Leber, die Milz, der Darm, sowie die Harn- und Geschlechtsorgane wiesen keine krankhaften Veränderungen auf. In und um die Wunde herum, fanden wir einige Blutgerinnsel und Blutungen in der Unterhaut, was uns zeigt, dass der Delfin zum Zeitpunkt der Verletzung noch gelebt hat und der Körper versucht hat, die Wunde zu versorgen. Ausserdem war eine Rippe gebrochen und die Wirbelsäule völlig durchtrennt. Im Magen fanden wir sogenannte Otholithen (Gehörknöchelchen, die von Fischen stammen, die der Delfin gefressen hat). Man benutzt diese Knöchelchen, um festzustellen, welche Fische der Delfin gefressen hat. Nach Eröffnung der Brusthöhle zeigte sich, dass der Delfin an einer Lungenentzündung litt, da die Lunge krankhaft verändert war.
All diese Ergebnisse zeigen bisher, dass der Delfin an seinen Verletzungen erlegen ist und nicht aufgrund der Lungenentzündung oder einer anderen Krankheit gestorben ist. Der Delfin ist wahrscheinlich durch eine Schiffsschraube oder ähnliches verletzt worden und danach an seinen doch schwereren Verletzungen verstorben. Fraglich ist nur, weshalb der Delfin verletzt wurde, da diese Tiere eigentlich sehr gute und schnelle Schwimmer sind und einer Schiffsschraube gewöhnlich entkommen können. Wahrscheinlich fehlte ihm die nötige Erfahrung im Umgang mit Schiffen in der Strasse von Gibraltar, da es sich ja um ein Jungtier handelte. Des weiteren wäre interessant das Gehirn des Tieres zu untersuchen, ob sich darin etwaige Parasiten oder durch Lärm verursachte Blutgerinnsel befinden, die zu Gleichgewichtsstörungen und Orientierungslosigkeit führen können und somit den Unfall verursacht haben könnten.
Insgesamt war es für mich als Veterinärin sehr interessant, die Sektion zu verfolgen und daran teilzunehmen und hoffe Euch mit meinem Bericht etwas daran teilhaben zu lassen.

-Dr. Eva Wüstmann-
Volontärin bei firmm